Bürgermeister der Stadt Kandern für Gleisfoto von Bundespolizei gerügt

Das Betreten der Gleisanlagen ist unbefugten Personen untersagt. Durch derartige Handlungen kommt es immer wieder zu schrecklichen Unfällen mit teilweise dramatischen Folgen für alle Beteiligten – vom Gleisläufer bis zum Lokführer und den Rettungskräften. „Gleise sind kein Fotostudio“, betont die Bundespolizei und rügt damit ein Foto der Badischen Zeitung, das den Bürgermeister der Stadt Kandern im Gleisbereich zeigt.


Christian Renkert unterminiere mit dem Gleisfoto die Präventionsbemühungen der Bundespolizei, heißt es in einem Schreiben der Behörde an den Politiker, der noch bis Ende Februar Bürgermeister der Stadt Kandern ist. Laut einem Bericht der Badischen Zeitung nimmt der promovierte Jurist den Vorfall eher gelassen – verlangt aber, dass die Fotos, „die gleiche oder ähnliche Darstellungen enthalten“, durch die Zeitung nicht mehr veröffentlicht werden. Mit dieser Bitte habe er das Notwendige getan, so Renkert. Laut dem Medienbericht räumt er aber ein, dass er qua Amt in seiner Funktion als Vorsitzender des Zweckverbands Kandertalbahn, für deren Reaktivierung er sich eingesetzt hat, eine „exponierte Stellung“ habe. Und es sei richtig, dass insbesondere im Bahnhofsbereich die Gleise immer wieder unbefugterweise gequert würden. „Ich muss das schon Ernst nehmen“, sagt Renkert. Er habe als oberster Repräsentant des Zweckverbandes schon eine Vorbildfunktion. Als Privatperson würde er die Rüge vielleicht anders beurteilen.

Entstanden sei das Foto dem Bericht zufolge bereits im Mai 2017 im Auftrag der Badischen Zeitung durch Fotograf Daniel Schoenen. In einem Artikel vom 10. Januar, der die letzten Wochen von Renkerts Amtszeit thematisiert, wurde das Foto zuletzt verwendet. Auf diesen Artikel sei die Bundespolizei durch einen Beamten des Polizeipräsidiums Offenburg aufmerksam gemacht worden. Ein Bundespolizist aus dem Bereich Kriminalprävention habe dann das mahnende Schreiben an den Bürgermeister verfasst.

Kritik der Bundespolizei

Die Bundespolizei betont, dass es für den Betrachter nicht offensichtlich sei, ob es sich um eine befahrene oder – wie im Falle der Kandertalbahn – um eine temporär stillgelegte Eisenbahnstrecke handele. „Ein fahrender Zug nähert sich fast lautlos und kann je nach Windrichtung oft sehr spät wahrgenommen werden. Der Bremsweg eines Zuges bei 100 Kilometer in der Stunde beträgt bis zu 1.000 Meter.“ Weiter teilt die Bundespolizei dem Bericht zufolge mit: „Trotz intensiver Bemühungen und regelmäßigen Präventionsveranstaltungen der Bundespolizei und der Deutschen Bahn kommt es im Zusammenhang mit dem unbefugten Betreten von Bahnanlagen immer wieder zu tragischen Unfällen. In nicht wenigen Fällen enden diese tödlich. (…) Einen gefährlichen Trend bei Jugendlichen stellt zudem das Fotografieren im Gleisbett dar. Bahngleise als Symbol für den Lebensweg, Fernweh, unzertrennliche Freundschaft oder ewige Liebe sollen die Motive der Teenager prägen, welche dann mit öffentlichen Freundes- und Liebesbekundungen in sozialen Netzwerken veröffentlicht werden.“ Die Bundespolizei warnt zudem, dass ein elektrisch betriebener Zug, selbst bei einer Geschwindigkeit von über 200 km/h, für das menschliche Ohr erst wahrnehmbar sei, wenn er bereits vorbeifahre. Vielen Personen sei außerdem nicht bewusst, dass auch außerhalb des ausgehängten Fahrplans ein Zugverkehr (z.B. Sonder- oder Güterzüge) stattfinden können, fügt die Bundespolizei hinzu.


red, Titelfoto: Bahnblogstelle / BZ / Daniel Schoenen

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