Baureihe 481: S-Bahn Berlin macht in diesem Jahr 90 Triebwagen fit für den Weiterbetrieb

Die S-Bahn Berlin unterzieht ihrer Fahrzeugflotte der Baureihe 481 seit 2019 einem umfangreichen Redesign. Rund 90 Triebzüge sollen allein in diesem Jahr das Werk in Schöneweide runderneuert verlassen.


© S-Bahn Berlin / DB AG

Die Fahrzeuge der Baureihe (BR) 481 werden seit dem vergangenen Jahr für weitere zehn Betriebsjahre fit gemacht. Im Oktober 2019 stellte die S-Bahn Berlin den ersten modernisierten Triebwagen vor. In den kompletten Umbau von vorerst 309 Viertelzügen fließen rund 155 Millionen Euro. Ermöglicht wird die Fahrzeugsanierung durch die Länder Berlin und Brandenburg im Rahmen des Interimsvertrages. Nach dem Redesign sehen die Züge, die zwischen 1997 und 2004 gebaut wurden, der neuen Baureihe 483/484, die ab 2021 in den Fahrgastbetrieb starten wird, zum Verwechseln ähnlich.

Die Sanierungsarbeiten werden voraussichtlich bis 2023 dauern. Etwa 360 Handwerker im Werk Schöneweide seien ein Drittel ihrer Zeit ausschließlich mit den Arbeiten für das Projekt Langlebigkeit beschäftigt. Rund 50.000 Engineering-Stunden wurden für das Projekt veranschlagt.

Einige Fahrzeuge weisen starke Korrosionsschäden auf

„Einige Fahrzeuge müssen voraussichtlich besonders aufwändig saniert werden, da deren Langträger – also die Fundamente der Wagenkästen – starke Korrosionsschäden aufweisen“, teilt eine Bahnsprecherin mit. Nach vorläufiger Einschätzung könnte etwa jeder 20. der insgesamt 500 Doppelwagen dieser Baureihe davon betroffen sein. Dabei stehe die vorgefundene Korrosion in keinem Zusammenhang mit dem Fahrzeugalter oder der Produktionscharge, heißt es weiter. „Das Voranschreiten der Korrosion ist von anderen Faktoren abhängig wie z.B. Undichtigkeiten im Fußboden der Einstiegsbereiche. Durch die sehr hohe Anzahl an Türöffnungs- und -schließvorgängen im täglichen Betrieb komme es zu Feuchtigkeitseintritt in diesen Bereichen, was die Korrosion begünstigt – bei einem Fahrzeug mehr, bei einem anderen weniger“, heißt es von Seiten der Deutschen Bahn. Bei der Mehrzahl der Fahrzeuge seien die sogenannten Abzehrungen aber sehr klein, so dass eine Behandlung mit Korrosionsschutzauftrag ausreiche, erklärt das Unternehmen.

Die stärker von Korrosion betroffenen Fahrzeuge müssten von einem darauf spezialisierten Unternehmen, der MSG Ammendorf in Halle (Saale), saniert werden. Dazu wurde das Baumusterfahrzeug bereits Ende vergangenen Jahres per Lkw-Schwerlasttransport dorthin gebracht, erklärt die Bahnsprecherin.

© S-Bahn Berlin / Jens Wiesner

Für die Sanierung muss der Wagenkasten nach Demontage aller Inneneinrichtungs- und Unterflurteile in eine Spezialvorrichtung gespannt werden, damit er sich nicht verzieht, denn das Heraustrennen des Langträgers sei ein großer Eingriff in die Fahrzeugstruktur. „Angrenzende Stahl-Bauteile wie Seitenwände, Türportale und Hauptquerträger werden abgetrennt, anschließend das von Korrosion betroffene Langträger-Stück mit einem großen Trennschleifer herausgeschnitten und ein neues Stück an die Stelle eingeschweißt. Schließlich wird der Wagenkasten vermessen, gegebenenfalls gerichtet, ausgespannt und lackiert.“ Im Berliner S-Bahnwerk erfolgt dann der weitere Umbau wie bei allen anderen Fahrzeugen der BR 481.

Für die Berliner S-Bahn sind neben der Baureihe 481 derzeit noch zwei weitere Baureihen im Einsatz: Zur BR 480 (Baujahre 1990 bis 1994) gehören 70 Doppelwagen. Sie wurde nach DB-Angaben bereits umfangreich ertüchtigt, um stabil bis 2023 weiter eingesetzt werden zu können. Aktuell prüft die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben, wie ein Einsatz über 2023 hinaus möglich ist. Die älteste Baureihe, die BR 485, umfasst 80 Doppelwagen und wurde in den Jahren 1988 bis 1992 gebaut. Sie wird mit der Inbetriebnahme der neuen S-Bahnzüge (BR 483/484) ab Januar 2021 nach und nach ausgemustert. Die 191 Zweiwageneinheiten der Neubaureihe sollen die Kapazität der S-Bahnflotte in Zukunft um mehr als 40 Viertelzüge erhöhen.


red, Titelfoto: S-Bahn Berlin / Jens Wiesner

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