Siemens rüstet ICE 4 für neue Höchstgeschwindigkeit um – Zeitplan und erste Details

Der Zughersteller Siemens Mobility rüstet die Fahrzeugflotte der neuesten ICE-Generation im Auftrag der Deutschen Bahn für eine höhere Maximalgeschwindigkeit um. Künftig sollen die für 250 km/h zugelassenen ICE 4-Züge mit bis zu 265 Stundenkilometern unterwegs sein. 


Die von DB-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber angekündigte Steigerung der Höchstgeschwindigkeit der neuen ICE 4-Züge auf 265 km/h befindet sich nach Informationen von Bahnblogstelle.net derzeit in der Umsetzung. Wie das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) auf Nachfrage mitteilte, ist eine entsprechende Umrüstung der neuesten ICE-Generation durch den Fahrzeughersteller Siemens Mobility bereits beantragt worden. Nachweise zur Prüfung lägen dem EBA bislang aber noch nicht vor, teilte ein Behördensprecher mit. Eine Anfrage bei der Deutschen Bahn zu genaueren Detailfragen und zum Zeitplan blieb von der Pressestelle in Berlin zunächst unbeantwortet.

Führerraumdisplay zeigt Sollgeschwindigkeit, Zielgeschwindigkeit und Zielentfernung für einen LZB-geführten Zug. | © Bahnblogstelle

Laut einer Antwort des Zugherstellers Siemens Mobility beschränken sich die technischen Änderungen an den ICE 4-Zügen auf die automatischen Zugsicherungssysteme (ATP-Systeme) ETCS und LZB sowie die Fahrzeugsteuerungssoftware. „Die Fahrzeuge erhalten eine neue Zulassung und müssen im Rahmen einer entsprechenden Zulassungskampagne mit Baumusterversuchen und Validierungen qualifiziert werden“, erklärte eine Unternehmenssprecherin. Entsprechende Baumusterversuche fänden laut Siemens derzeit bereits statt.

Infrastrukturelle Maßnahmen sind hingegen nicht erforderlich. Eine Geschwindigkeitsfreigabe von „265 km/h“ sei laut Siemens mit einigen Anpassungen zu lösen. Üblich sind bislang Geschwindigkeitsvorgaben in 10er Schritten (also beispielsweise 260 oder 270 km/h). „Die ATP-Systeme erhalten von der Streckenzentrale entsprechende Führungsgrößen: Informationen zum nächsten Zielpunkt (Geschwindigkeit, Entfernung) und Bremsvorgaben. Basierend auf den Streckeninformationen berechnen die ATP-Systeme des Fahrzeuges unter Berücksichtigung der spezifischen Fahrzeugeigenschaften (Höchstgeschwindigkeit, Bremsvermögen) kontinuierlich die jeweils zulässige Sollgeschwindigkeit“, so die Siemens-Sprecherin weiter. Für die Freigabe einer Sollgeschwindigkeit von 265 km/h seien jedoch Anpassungen bei der LZB- und DMI-Software (Driver Maschine Interface) erforderlich. Bei ETCS gebe es hingegen keine Beschränkung der Geschwindigkeit auf 10er Schritte.

Angesprochen auf einen möglichen Zeitplan erklärt Siemens, dass die Deutsche Bahn nach Abschluss der Zulassungskampagne die ersten Züge „aus Zulassungssicht ab Mitte 2021 betrieblich einsetzen“ könne. Ab wann dies umgesetzt werde, sei derzeit allerdings noch nicht festgelegt. „Aufgrund der vertraglichen Vereinbarungen mit DB und der Lieferplanung des Gesamtprojektes dauert die Umrüstung der gesamten Flotte bis Mitte 2025.“

© DB AG

Gegenüber der Westfalenpost hatte Berthold Huber vor wenigen Tagen gesagt, dass durch die Steigerung der Höchstgeschwindigkeit „zusätzliche Reserven im Fahrplan“ geschaffen werden sollen. Ein damit verbundenes Ziel, ist die Verbesserung der Pünktlichkeit im Fernverkehr.

Derzeit sind die ICE der vierten Generation, die seit Ende 2017 im Regelbetrieb verkehren, für eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h zugelassen. Damit ist der ICE 4 langsamer als sein Vorgänger, der ICE 3. Dieser Zugtyp kann Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 330 Stundenkilometer erreichen. Weil Streckengeschwindigkeiten von 300 km/h in Deutschland aber nur auf wenigen Abschnitten möglich sind und Züge dafür deutlich mehr Energie verbrauchen, hatte sich der DB-Konzern bei der neuesten ICE-Baureihe zunächst für ein geringeres Tempo entschieden.

ETCS – Das neue Zugsicherungssystem auf der Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und München (mit Video)


red, Titelfoto: DB AG