Schweiz: SBB veröffentlicht Zahlen zum Geschäftsjahr 2019

Die Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar, CEO Andreas Meyer und CFO Christoph Hammer haben am Dienstag die Geschäftszahlen der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) für das vergangene Jahr vorgestellt.


Pressemitteilung der SBB im Wortlaut:

Rückläufig und nicht zufriedenstellend war die Kundenpünktlichkeit, insbesondere im vierten Quartal und regional. Hauptursachen waren einerseits die steigende Nachfrage, auch bei den Zusatzverkehren, der angespannte Fahrplan sowie die vielen Baustellen für Unterhalt und Ausbau. Andererseits trugen Störungen am Rollmaterial sowie nicht genügend Fahrzeuge, auch aufgrund der Verzögerungen bei den Fernverkehrs-Doppelstockzügen mit Auswirkungen auf die restliche Flotte, zu mehr Verspätungen bei. Schliesslich fehlten Lokpersonalreserven, auch aufgrund von Fehlern bei der Einsatz­ und Ausbildungsplanung des Lokpersonals.

Insgesamt kamen 2019 89,5 Prozent der Fahrgäste (-0,6 Punkte) pünktlich an. Die Anschlüsse erreichten 96,8 Prozent (-0,2 Punkte). Um die Pünktlichkeit zu verbessern, will die SBB mehr Reserven im System schaffen, die integrierte Planung von Angebot, Bahn- und Bauproduktion und auch die Kundeninformation verbessern.

Der tragische Unfall eines Chefs Kundenbegleitung im August löste grosse Betroffenheit aus und zeigte Handlungsbedarf im Bereich der Zugtüren auf. Die SBB leitete mit einer Taskforce und dann mit dem Programm «Sicuro!» Massnahmen und Überprüfungen ein. Die Sonderkontrollen und Reparaturen an den Einheitswagen (EW) IV sowie den Euro- und Intercity-Steuerwagen sind abgeschlossen. Die Gesamtmodernisierung der EW IV-Türen wurde gestartet. Den Abfertigungsprozess bei den betroffenen Flotten hat die SBB bereits im Herbst 2019 angepasst. Die externen Audits in den Bereichen Instandhaltung und Gesamtflotte werden im ersten Halbjahr 2020 abgeschlossen. Beim internen Meldewesen besteht Handlungsbedarf, entsprechende Massnahmen sind in Umsetzung. Der Abschlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST wird voraussichtlich bis Mai publiziert.

Die Kundenzufriedenheit ist im Personenverkehr und im Güterverkehr gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt gestiegen (Personenverkehr 2019: 75,5 Punkte, +0,6 Prozent; Güterverkehr 2019: 70,9, +2,2 Prozent). Trotzdem besteht etwa bei der Kundeninformation im Störungsfall oder bei der Pünktlichkeit Handlungsbedarf.

Personenverkehr: Nachfragesteigerung, Rekord bei Selbstbedienungsquote

Die SBB hat 2019 deutlich mehr Billette verkauft als im Vorjahr (124 Millionen, +15 Prozent). Erstmals hat die SBB mit 52,8 Prozent mehr als die Hälfte aller Billette über digitale Kanäle verkauft (+12 Prozentpunkte), dies bei im Vergleich zum Vorjahr gleichbleibender Anzahl Verkaufsstellen. Der Absatz an Schaltern und auch an Automaten ist weiter gesunken. Die Selbstbedienungsquote liegt auf einem neuen Höchstwert von 90,6 Prozent. Das heisst: Neun von zehn Billetten lösen die Kunden heute selbst.

Die Anzahl Generalabonnemente ist angestiegen (+2 Prozent). Damit sind praktisch eine halbe Million Generalabonnemente im Umlauf. Die Anzahl Halbtaxabonnemente stieg ebenfalls (+5 Prozent). Die SBB hat damit mehr Stammkunden als je zuvor: Über 3,2 Millionen Reisende haben ein Halbtax­ oder ein Generalabonnement; das sind rund 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung.

Im vergangenen Jahr gab es zum vierten Mal in Folge keine Preiserhöhungen. Mit Gutschriften und Serviceverbesserungen hat die SBB ihren Kunden 2019 für ihre Geduld im betrieblich anspruchsvollen Jahr gedankt. Die SBB hat Sparbillette mit einer Rabattsumme von 120 Millionen Franken verkauft (+50 Prozent). Dies führte zu einer doppelten Verlagerung: Von den insgesamt 8,8 Millionen Fahrten dank Sparbilletten (+60 Prozent gegenüber Vorjahr) haben gemäss Kundenbefragungen rund 3 Millionen Kunden die Fahrt mit der Bahn nur dank dem Rabatt unternommen (+55 Prozent). Rund 1,5 Millionen Kunden wechselten auf schwach ausgelastete Züge (+85 Prozent). Auch im Jahr 2020 wird die SBB ihren Kunden mindestens 100 Millionen Franken Rabatt mit Sparbilletten zur Verfügung stellen.

An den Bahnhöfen sollen die Kunden die Bahn möglichst komfortabel mit anderen Mobilitätsträgern verbinden können. Darum arbeitet die SBB auch an neuen Mobilitätsdienstleistung, etwa im Bereich Car Sharing, Park&Rail oder Bike&Rail. Diese neuen Dienstleistungen generierten im letzten Jahr einen induzierten Verkehrsertrag von rund 90 Millionen Franken (+7 Prozent).

2019 ist die SBB mit ihrer Kooperationsstrategie im Personenverkehr grosse Schritte weitergekommen: Im Fernverkehr hat sie die Mehrbahnenlösung unter integraler Fernverkehrskonzession mit den Partnerbahnen Südostbahn (SOB), BLS und Transports publics neuchâtelois (TransN) gefestigt. Die Umsetzung mit der BLS und TransN ist mit dem Fahrplan 2020 gestartet, die SOB folgt mit dem Fahrplan 2021. Im Regionalverkehr ist ergänzend zur Zusammenarbeit mit Transports publics fribourgeois (TPF), der italienischen Trenord und TransN der Léman Express mit dem Partner SNCF Ende Jahr in Betrieb gegangen.

Zusammen mit unseren europäischen Partnerbahnen DB, ÖBB, SNCF und FS haben wir das Ziel, das Angebot im internationalen Personenverkehr auszubauen und die Dienstleistungen wie durchgehende elektronische Billette sowie die Kundeninformation gemeinsam weiter zu verbessern.

Der internationale Bahnverkehr hat im vergangenen deutlich zugenommen: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Nachfrage der internationalen Destinationen um rund 7 Prozent gestiegen. Der Streik in Frankreich hat das Wachstum im Dezember 2019 leicht gebremst. Im laufenden Jahr rechnet die SBB aufgrund des Kapazitätsausbaus nach Deutschland mit dem neuen ICE 4, der erneuerten TGV-Lyria Flotte nach Frankreich sowie dem neuen internationalen Fernverkehrszug auf der Gotthardachse mit einer positiven Entwicklung.

Die Verkehrserträge haben um 2,2 Prozent auf 3559 Millionen Franken zugenommen. Das Ergebnis des Personenverkehrs betrug 215 Millionen Franken (Vorjahr: 241 Millionen).

Immobilien: neuer Höchstwert bei Kundenzufriedenheit am Bahnhof

Die Kundenzufriedenheit am Bahnhof konnte gesteigert werden und lag mit 79,7 Punkten deutlich über dem Vorjahr. Gut beurteilt wurden insbesondere das Sicherheitsempfinden, die Beleuchtung, die Einkaufsmöglichkeiten und die Massnahmen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität. Im Auftrag des Bundes entwickelt die SBB gemeinsam mit den kantonalen, städtischen und kommunalen Behörden die Bahnhöfe und ihr Umfeld zu attraktiven, sauberen und sicheren Mobilitätsknotenpunkten (Hubs). So konnten die städtebaulichen Studien zur Aufwertung des Bahnhofsumfelds in Ostermundigen, Rheinfelden und Zug abgeschlossen werden. 2019 wurden auch die Totalsanierungen des Westflügels beim Bahnhof Basel SBB und die Sanierungsarbeiten des Südtrakts beim Hauptbahnhof Zürich vorangetrieben. Der Gestaltung des Zugangs zum öffentlichen Verkehr und der Lebensqualität rund um die Hubs kommt eine immer grössere Bedeutung zu. Deshalb hat die SBB beispielsweise den Meret Oppenheim Platz beim Bahnhof Basel SBB gestaltet und im Juni der Bevölkerung übergeben.

Die Drittumsätze in den 32 grössten SBB Bahnhöfen entwickelten sich positiv (+83 Millionen Franken, +5 Prozent). Dies dank der weiter steigenden Anzahl ÖV-Kunden, der laufenden Verbesserung des Branchenmixes mit Geschäftspartnern, Neueröffnungen und zusätzlichen Verkaufsflächen.

Der Erfolg aus Immobilienveräusserungen war aufgrund geringerer Verkaufstätigkeit in 2019 um 22,8 Millionen Franken unter dem Wert des Vorjahres (2019: 84,2 Millionen Franken, 2018: 107,0 Millionen Franken).

Steigende Kundenfrequenzen, das Flächenwachstum sowie die erfolgreiche Bewirtschaftung der Bahnhöfe führten bei SBB Immobilien zu einem Ergebnis von 10,4 Millionen Franken (nach Ausgleichszahlungen). Immobilien leistete 2019 Ausgleichszahlungen von CHF 150 Mio. an Infrastruktur sowie Rückzahlungen von Darlehen aus der Pensionskassensanierung und -stabilisierung von 178 Millionen Franken.

Güterverkehr: Pünktlichkeit gesteigert und erneut schwarze Null erreicht

SBB Cargo hat die Pünktlichkeit gesteigert (91,9 Punkte, +2,5 Prozent) und stark in die Qualität für ihre Kunden investiert. Gemeinsam mit den Kunden hat SBB Cargo das Angebot mit individuellen Lösungen flexibilisiert. Damit kann SBB Cargo die Kunden besser auf explizite Nachfrage hin bedienen.

Die SBB hat mit der Swiss Combi AG eine Partnerin für die SBB Cargo AG gefunden, die vom Geschäftsmodell der Güterbahn überzeugt ist und sich für die gemeinsame Entwicklung des Güterverkehrs in der Schweiz einsetzen will. Mehrheitsaktionärin bleibt die SBB AG mit einem Anteil von 65 Prozent. Voraussetzung für den Einstieg ist die Genehmigung der Beteiligung durch die Wettbewerbsbehörde. Der Entscheid wird im Frühling 2020 erwartet.

Das Ergebnis im Güterverkehr beträgt 3,0 Millionen Franken. Cargo Schweiz erreicht eine schwarze Null, dies auch dank ausserordentlichen Einmaleffekten wie Rückstellungsauflösungen. Das Ergebnis von Cargo International liegt bei 5,5 Millionen Franken. Insbesondere die Nachfrage in den Branchen Stahl und Chemie ist aufgrund des strukturellen Umbruchs in der Automobilbranche tiefer ausgefallen als ursprünglich mit den Kunden geplant.

Infrastruktur: hohe Mengen Fahrbahnerneuerung, angespannter Fahrplan

Insgesamt hat die SBB 239 Kilometer Fahrbahn erneuert (2018: 226 Kilometer). Das ist so viel wie nie zuvor. SBB Infrastruktur hat 2019 mit 1838 Millionen Franken rund 155 Millionen Franken mehr für Investitionen verwendet als mit der Leistungsvereinbarung (LV) 2017-2020 für das Jahr 2019 finanziert war, primär für Mehrmengen bei der Fahrbahnerneuerung. Im vierten Quartal haben sich diese Arbeiten negativ auf die Pünktlichkeit ausgewirkt.

Der Gesamtzustand der Infrastrukturanlagen hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert und wird gemäss Netzzustandsbericht als «gut bis ausreichend» klassiert. Es gibt keine kritischen Anlagen – das Sicherheitsniveau kann jederzeit gehalten werden.

Die SBB priorisiert den Mitteleinsatz und die Baustellenplanungen so, dass die Fahrbarkeit des Angebotes gewährleistet ist und die geforderte Anlagenverfügbarkeit für einen stabilen Betrieb und einen robusten Fahrplan langfristig gesichert bleibt. Seit 2017 wurde im Durchschnitt 270 Millionen Franken pro Jahr mehr in Unterhalt und Erneuerung der Anlagen von SBB Infrastruktur investiert. Die positive Entwicklung der Anlagenverfügbarkeit zeigt, dass sich der aktuelle Rückstand beim Anlagenzustand mit einzelnen Ausnahmen wie Fahrbahn und Elektroanlagen nicht nachteilig auf den Bahnbetrieb auswirkt und damit tragbar ist.

Das Ergebnis von SBB Infrastruktur im Jahr 2019 beträgt 22,5 Millionen Franken. Das Ergebnis des Bereichs Infrastruktur Energie von 47,1 Millionen Franken fliesst in Reinvestitionen von Energieanlagen. Der Bereich Infrastruktur Netz erreichte 2019 ein negatives Ergebnis von -24,7 Millionen Franken.

CO2 eingespart und Energieeffizienz erhöht

Die Bahn ist und bleibt neben dem Langsamverkehr wie dem Velo das klimafreundlichste Transportmittel. Deshalb trägt die SBB – wie grundsätzlich die Verkehrsverlagerung auf die Bahn – einen wesentlichen Teil zum Klimaschutz in der Schweiz bei. Jährlich vermeidet die Schweiz durch die Bahn den Ausstoss von fünf Millionen Tonnen CO2, was zehn Prozent ihrer Gesamtemissionen entspricht. 2019 hat die SBB dank zusätzlichen Anstrengungen rund 66 000 Tonnen CO2 vermieden. Die SBB hat die Ambition, bis 2030 klimaneutral zu sein.

Die SBB bezog 2019 den Bahnstrom zu 90 Prozent und den 50-Hz-Strom ausschliesslich aus erneuerbaren Energien. Im Rahmen des konzernweiten Energiesparprogramms wirkten 2019 Energiesparmassnahmen von rund 400 GWh. Dies entspricht dem Stromverbrauch von rund 100 000 Schweizer Privathaushalten. Bis 2030 ist geplant, 30 GWh Haushaltstrom durch Photovoltaik zu erzeugen.

Konzernergebnis tiefer als im Vorjahr

Das Konzernergebnis fiel mit 463 Millionen Franken tiefer aus als im Vorjahr (18,5 Prozent). Das Ergebnis im Regionalverkehr beträgt 55,1 Millionen Franken und wird gemäss gesetzlichen Vorgaben den spezialrechtlichen Reserven zugewiesen. Der Kostendeckungsgrad im Regionalverkehr lag 2019 bei 61,8 Prozent, der Vollkostendeckungsgrad bei rund 45 Prozent. Im Fernverkehr lag der Vollkostendeckungsgrad bei rund 80 Prozent. Dieser weist die Finanzierung der Nutzer und Kunden im Verhältnis zu den Gesamtkosten des Betriebs von Infrastruktur und Verkehr inklusive den vom Bund bezahlten ungedeckten Kosten der Infrastruktur aus.

Die bestellten Leistungen von Bund und Kantonen für Betrieb und Unterhalt der Infrastruktur, den Regionalverkehr sowie Ausbauten stiegen auf 3575 Millionen Franken (+3,2 Prozent), ohne Darlehen und Beiträge für Investitionen auf 2802 Millionen (+3,0 Prozent).

Der Free Cashflow lag bei -293 Millionen Franken (Vorjahr: -215 Millionen). Der Schuldendeckungsgrad stieg auf 6,27 (Vorjahr: 5,62). Damit hat die SBB die Höchstgrenze des Eigners von 6,5 erneut unterschritten.


PM SBB, Titelfoto: SBB / Thomas Hodel (Archiv)

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