Zugkollision in Aichach durch Fehler des Fahrdienstleiters verursacht

Der tragische Eisenbahnunfall in Aichach im Mai 2018, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen, ist durch Fehler des Fahrdienstleiters verursacht worden. Bei der Sicherungstechnik im dortigen Bahnhof handelt es sich um ein rund 70 Jahre altes mechanisches Stellwerk der Einheitsbauart. Der Bahnhof Aichach ist noch mit Formsignalen ausgestattet. 


Das schwere Zugunglück im Bahnhof Aichach vor rund zwei Jahren ist durch eine „mangelhaft durchgeführte Fahrwegprüfung des Fahrdienstleiters“ ausgelöst worden. Das ist das Ergebnis des 🔗 Untersuchungsberichts der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU). Der Fahrdienstleiter im Bahnhof Aichach hatte außerdem versäumt, die erforderlichen Hilfssperren an den Fahrstraßenhebeln anzubringen, nachdem das Gleis 2 durch einen Güterzug besetzt und eine Weiterfahrt vorerst ausgeschlossen war. Als der Fahrdienstleiter bemerkte, dass er die Fahrstraße für den zweiten Zug in das besetzte Gleis 2 gestellt hatte, nahm er die Fahrtstellung am Einfahrsignal H zurück und versuchte noch einen Nothaltauftrag abzusetzen. Im selben Moment ereignete sich bereits die Kollision.

© BEU

Am 7. Mai 2018 kollidierte gegen 21:17 Uhr im Bahnhof Aichach der einfahrende Nahverkehrszug DPN 86696 der Bayerischen Regiobahn GmbH (BRB) mit dem im Gleis 2 wartenden Güterzug DGS 98907 der K‐Rail GmbH. Bei der Kollision der beiden Züge wurden der Triebfahrzeugführer von DPN 86696 und ein Fahrgast des Personenzuges getötet. Zwei Fahrgäste wurden schwer verletzt, elf weitere erlitten leichtere Verletzungen. Der Lokführer des Güterzuges erlitt einen psychischen Schock. Der Triebwagen der BRB wurde im Bereich des Führerstands völlig zerstört, das führende Drehgestell entgleiste. Bei der Diesellok des Güterzuges wurden die Crashpuffer eingedrückt und das Frontgeländer massiv verbogen. Der Schaden an den Fahrzeugen wird laut Unfallbericht auf fünf Millionen Euro geschätzt. An der Infrastruktur entstanden nur geringfügige Beschädigungen.

Wie die Ermittler der BEU schreiben, hatte der Fahrdienstleiter an diesem Tag bereits eine Frühschicht (06:00 – 13:00 Uhr) in Radersdorf hinter sich und war dann zur Nachtschicht (22:00 – 07:00 Uhr) in Aichach eingeteilt. Die Schicht in Radersdorf begann er gemäß Eintrag im Zugmeldebuch tatsächlich um 06:16 Uhr und beendete sie um 12:17 Uhr. Den Dienst in Aichach nahm er bereits um 20:47 Uhr auf. Er beendete die Frühschicht somit 43 Minuten vor dem geplanten Dienstende und begann seine Nachtschicht 73 Minuten früher als nach dem Dienstplan eingeteilt. Die nach Schichtplan vorgesehene Mindestruhezeit von neun Stunden verkürzte sich dadurch auf achteinhalb Stunden.


red, Titelfoto: Feuerwehr Aichach