Zugausfälle wegen Personalmangel – VRR mahnt Abellio Rail für „nicht akzeptable“ Leistungen ab

Foto: Abellio Rail NRW

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat dem Eisenbahnverkehrsunternehmen Abellio Rail NRW am 12. Mai eine schriftliche Abmahnung ausgesprochen. Grund dafür sind die aktuelle Betriebssituation und die „schlechten und nicht akzeptablen SPNV-Leistungen insbesondere auf den Linien S 3, S 9 und RE 49“.

Nach Angaben des VRR entsprechen die Qualität und Quantität der Beförderungs- und Betriebsleistung auf den vom Unternehmen betriebenen S-Bahn-Linien „nicht den verkehrsvertraglichen Leistungspflichten“. Auf den Linien kommt es zu erheblichen Zugausfällen und massiven Angebotseinschränkungen.

Abellio hat den zuständigen Aufgabenträger am 4. Mai darüber informiert, dass das Unternehmen auf lange Sicht nicht in der Lage sei, seine verkehrsvertraglichen Verpflichtungen bei den Linien der S-Bahn Rhein-Ruhr nachzukommen. „Im Rahmen mehrerer Krisengespräche auf Geschäftsführerebene hat der VRR das Unternehmen Abellio daraufhin nicht nur deutlich ermahnt, sondern auch unmissverständlich aufgefordert, schnellstmöglich alle Maßnahmen zu ergreifen, um die verkehrsvertraglichen Leistungen in einem ausreichenden Maß erfüllen zu können“, teilt der Verkehrsverbund mit. Daraufhin habe Abellio erstmals am 8. Mai dargestellt, welche verkehrlichen Auswirkungen auf den einzelnen Linien und deren zeitliche Dauer aufgrund des Personalmangels vorgesehen sind. Aufgrund der Dauer und des Umfangs der verkehrlichen Auswirkungen könne der VRR diese Einschränkungen für die Fahrgäste jedoch nicht mittragen, heißt es.

„Wir erwarten, dass für die Fahrgäste das anhaltend schlechte Angebot auf der Schiene schnell und nachhaltig verbessert wird“, sagt VRR-Vorstandssprecher Ronald R.F. Lünser. „Wir fordern Abellio auf, kurzfristig in einem Maßnahmenpaket verlässliche Aussagen und Planungen über eine verbindliche Qualifikation und Disposition für den Personaleinsatz zu treffen und tragbare Ersatzkonzepte vorzulegen.“

Der VRR hat Abellio aufgefordert, unverzüglich, spätestens jedoch bis zum 14. Juni auf der Linie S 3, bis zum 30. Juni auf der Linie RE 49, bis zum 15. Juli auf den Linien S 2 und RB 40, bis zum 15. September auf der Linie S 9 und bis zum 30. September bei der Betriebsreserve sämtliche verkehrsvertraglichen Pflichten uneingeschränkt zu erfüllen.

Abellio räumt Probleme ein

Wie das Eisenbahnunternehmen am Donnerstag mitteilte, hätten ein akuter Personalmangel sowie die Unterbrechung des Ausbildungsbetriebs infolge der Corona-Pandemie zu einer Verschärfung der angespannten Situation geführt. Abellio sei nach eigenen Worten „momentan nicht in der Lage“, den Fahrgästen einen vollumfänglichen Verkehr anzubieten. Ebenso könne man aktuell nicht die vertraglich vereinbarte Betriebsreserve vorhalten. Für Abellio sei die Abmahnung durch den VRR daher „nachvollziehbar“. Man arbeite jedoch „mit Hochdruck“ an betrieblichen Konzepten sowie am Recruiting, „um die Leistungen pflichtgemäß im Rahmen der Fristsetzung erbringen zu können.“

Nach Unternehmensangaben sollen noch im Mai zehn Leih-Triebfahrzeugführer bei Abellio Rail NRW zum Einsatz kommen. Sie sollen die Zeit überbrücken, bis die noch in Ausbildung befindlichen neuen Kollegen ihre Prüfungen abgelegt haben, heißt es. Um die Ausbildung darüber hinaus zu beschleunigen habe man zusätzliche Ausbilder von Schwesterunternehmen übergangsweise an den eigenen Standort geholt.

Abellio kann Verärgerung über Schlechtleistung „absolut nachvollziehen“

„Wir können die Verärgerung über unsere Leistung absolut nachvollziehen und möchten unseren Fahrgästen versichern, dass dies keinesfalls unser Anspruch ist“, so Abellio in einer Pressemitteilung vom gestrigen Donnerstag. „Für diese Schlechtleistung“ könne man sich nur entschuldigen.


red