DB-Konzernbetriebsrat kritisiert Forderung des Bundes nach Sparkurs bei Mitarbeitern

Foto: DB AG

Der Konzernbetriebsrat der Deutschen Bahn AG begrüßt nach eigenen Angaben die Bereitschaft des Bundes, das Unternehmen in der Corona-Krise finanziell zu unterstützen. Scharf kritisieren die Interessenvertreter aber die damit einhergehende Forderung des Bundes nach einer Eigenbeteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Gerade die Bahnerinnen und Bahner sicherten die Mobilität und die Grundversorgung in Deutschland und nehmen dabei die Gefährdung der eigenen Gesundheit in Kauf, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Konzernbetriebsrat fordert daher stattdessen, dass die begonnenen Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der DB AG fortgesetzt werden, insbesondere bei Infrastruktur, Fahrzeugen und Personal. Nur so könnten die klimapolitischen Ziele der Bundesregierung erreicht werden. Um das Unternehmen weiter zu stabilisieren und auf die Zukunft auszurichten, sei aus Sicht der Interessenvertreter ein „Bündnis für Beschäftigung und Mobilität“ zwischen dem Bund, der DB AG, den Gewerkschaften, dem Konzernbetriebsrat sowie dem Konzernsprecherausschuss notwendig.

In seinem Statement sagte dazu Jens Schwarz, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats: „Wir begrüßen die Zusage des Bundes, die Deutsche Bahn zu unterstützen. Die damit verbundene Forderung nach Zugeständnissen der Beschäftigten aber ist das falsche Signal, ist unsolidarisch und verkennt die Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland. In der Corona-Krise sichern unsere Kolleginnen und Kollegen täglich Mobilität und Logistik – dass nun ausgerechnet sie einen Eigenanteil tragen sollen, ist für uns völlig unverständlich. Deutschland braucht eine zukunftsorientierte Bahn und das starke Team der Bahnerinnen und Bahner, nur so und gemeinsam kann eine nachhaltige Verkehrswende im Personen- und im Güterverkehr erreicht werden.“

Die Deutsche Bahn und der Bund als Eigentümer hatten sich vor einer Woche auf ein mehrere Milliarden Euro schweres Hilfspaket verständigt. Dieses soll jeweils zur Hälfte durch eine Eigenkapitalerhöhung und durch Sparmaßnahmen seitens des Konzerns selbst sowie durch eine höhere Verschuldung finanziert werden. Laut einem Bericht des Handelsblatt sollen gut zwei Milliarden Euro in vier Jahren über die Reduzierung von Personalkosten eingespart werden.

In den kommenden Wochen solle entwickelt werden, wie das Sparprogramm konkret aussehen werde. Nach Informationen der Wirtschaftszeitung war von Stelleneinsparungen bislang lediglich im geringeren Umfang in der Konzernverwaltung die Rede. Bahnchef Richard Lutz wolle dem Bericht zufolge möglicherweise trotz der Sparpläne daran festhalten, in diesem Jahr wie angekündigt 25.000 neue Eisenbahner einzustellen. An massive Stellenstreichungen, wie sie die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) befürchtet, werde dabei nicht gedacht, heißt es laut Handelsblatt aus Führungskreisen. Der Bahnvorstand fordert allerdings einen „Beitrag“ von den Arbeitnehmern ein, über den verhandelt werden müsse. Das Einzige, was bereits heute feststehe, seien die weitgehend ausfallenden Boni für Vorstand und mehrere Tausend Mitarbeiter des Unternehmens. Allein dadurch sollen 2020 schon 150 bis 180 Millionen Euro eingespart werden.

Eisenbahnergewerkschaft befürchtet Abbau von mehr als 10.000 Stellen


red

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