„Tag des Eisenbahners“ – Ein fast vergessener Ehrentag mit dunklem Schatten

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Bis vor rund 30 Jahren wurde der Berufsstand des Eisenbahners in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) noch mit einem eigenen Feiertag geehrt. Heute ist der Ehrentag fast vergessen.

Eisenbahner der früheren Deutschen Reichsbahn (DR) wurden in der DDR ab 1952 mit einem eigenen Feiertag, dem „Tag des Eisenbahners“, geehrt. Begangen wurde dieser Ehrentag immer am zweiten Sonntag im Juni. Mit der Wende 1989 und dem Ende der DDR verschwand diese Tradition.

Ein Ehrentag mit dunkler Vorgeschichte

Einen anderen Ehrentag für Eisenbahner gab es aber auch schon davor: Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde während des Zweiten Weltkrieges der „Tag des deutschen Eisenbahners“ eingeführt. Erstmals wurde dieser Tag am 7. Dezember 1943 – genau 108 Jahre nach der Eröffnung der ersten deutschen Eisenbahnverbindung zwischen Nürnberg und Fürth – begangen. Damals erhielten 95 Eisenbahner das Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern, 66 von ihnen das Kriegsverdienstkreuz ohne Schwerter. Eingeführt wurde der damalige Ehrentag von Albert Ganzenmüller, seinerzeit Staatssekretär im nationalsozialistischen Reichsverkehrsministerium und stellvertretender Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn.

Die Eisenbahn spielte für das NS-Regime bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine entscheidende Rolle. Zwischen 1941 und 1945 wurden Millionen von Menschen mit Deportationszügen in die Vernichtungslager transportiert. Heute erinnert ein Mahnmal am Gleis 17 des Berliner Bahnhofs Grunewald an die früheren Verbrechen der Nazi-Zeit. Die Deutsche Bahn AG als Rechtsnachfolgerin der Deutschen Reichsbahn hatte das Mahnmal im Januar 1998 eingeweiht.

Mit diesem geschichtlichen Hintergrund hätte ein gleichnamiger Ehrentag heute sicherlich einen eher negativen Beigeschmack: Denn Ganzenmüller war der einzige Reichsbahnbeamte, gegen den aufgrund seiner Mitwirkung an der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik ein Strafprozess wegen Beihilfe zum Mord eröffnet wurde. Er hatte sich persönlich und in Abstimmung mit der SS um die KZ-Transporte gekümmert. Ein Urteil gegen ihn fiel allerdings nie, da er von 1973 bis zu seinem Tod im Jahr 1996 als verhandlungsunfähig galt.


red

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