DB Cargo bereitet sich auf Wachstum vor – Nikutta: „In jeder Krise liegt auch eine Chance“

Foto: Pixabay / DB AG / Max Lautenschläger

Weil der Warentransport über die Straße per Lkw in den vergangenen Monaten aufgrund der Corona-Pandemie vor allem in den Grenzregionen nur schwer möglich war, konnte sich der Schienengüterverkehr zunehmend bewähren. Dennoch haben auch die Güterbahnen weiterhin mit den starken Auswirkungen der Corona-Krise zu kämpfen.

Wie die neue DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta kürzlich im Interview mit dem VDV-Magazin verriet, habe man die Auswirkungen der Krise klar zu spüren bekommen. „Im Ganzzugverkehr haben wir starke Einbußen bei den Zügen von und zu den Automobilwerken und den Stahlfabriken. Dort wurde ja gar nicht mehr oder deutlich weniger produziert. Im Einzelwagenverkehr und im Kombinierten Verkehr sieht es hingegen erfreulicher aus, dort halten wir bis heute unser Netzwerk stabil.“ Allerdings habe sich dort die Auslastung deutlich verringert, fügt Nikutta hinzu. Die Güterbahntochter der Deutschen Bahn versucht dies aber zum Teil mit Neuverkehren zu kompensieren – hier gewinne das Unternehmen auch neue Kunden für die umweltfreund­liche Schiene hinzu.

Auf die Frage, wie der Schienengüterverkehr wieder hochgefahren bzw. ausgebaut werden könne, antwortet die DB-Cargo-Chefin: „Sobald die Wirtschaft wieder produziert, können wir schnell reagieren und wieder mehr Transporte fahren. In jeder Krise liegt auch eine Chance: Wir haben in den letzten Wochen viele Dinge transportiert, die wir lange nicht auf der Schiene gesehen haben. Und wir arbeiten hart daran, dass das so bleibt. In der Zwischenzeit bereiten wir uns weiter auf das Wachstum im Schienengüterverkehr vor.“

Laut Nikutta würden derzeit vor allem die Transporte von Lebensmitteln zeigen, wie leistungsfähig der Kombinierte Verkehr (KV) sei. „Und wir haben viele weitere Ideen, wie wir hier noch stärker werden: Ende des Jahres bieten wir die ersten Verbindungen ‚KV im Einzelwagenverkehr‘ an, und zwar im Nachtsprung zwischen den großen Wirtschaftszentren“, so die Güterbahn-Chefin. Wichtig sei hier auch die Schaffung neuer Angebote. „Wir schließen in Zukunft Kunden ohne Gleisanschluss über den KV an unser Netzwerk im Einzelwagenverkehr an.“ Nach Ansicht von Nikutta brauche es dazu aber auch weitere Anreize, um Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

Beim Thema Digitalisierung des Schienengüterverkehrs komme das Unternehmen nach eigenen Angaben gut voran. „Wir legen gerade den Endspurt bei der Ausstattung unserer Güterwagen mit GPS und Telematik ein. Bis zum Jahresende haben wir das geschafft.“ Kunden von DB Cargo erhalten künftig über das neue Online-Portal „Link2Rail“ alle wichtigen Daten und Services auf einen Blick. Dort fließen laut Nikutta schon heute täglich bis zu 1,8 Millionen GPS-Trackingdaten der intelligenten Güterwagen ein. Damit sei es möglich, dass Kunden den kompletten Transportweg noch präziser und transparenter nachverfolgen können.


red

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