Deutsche Bahn weitet Tests mit weißem Farbanstrich auf Schienen aus

Foto: DB AG

Weil extreme Hitze den Schienenstahl stark belastet, testet die Deutsche Bahn seit Herbst 2019 ein kühlendes Schutzverfahren für die Gleise. 

Dabei soll ein Anstrich mit weißer Farbe an den Schienen die Temperaturen des Gleises im Sommer niedriger halten. Umfangreiche Labortests hätten zuvor ergeben, dass weiße Schienen deutlich mehr Licht reflektieren und damit sieben bis acht Grad Celsius kühler seien, als Schienen ohne Farbe. Auch die Eisenbahnunternehmen in Italien, Österreich und der Schweiz nutzen dieses Verfahren bereits. Nach Angaben der Deutschen Bahn seien die Ergebnisse der ersten knapp zehn Monate vielversprechend gewesen. „Die umweltfreundliche Farbe hält. Sie muss jedoch regelmäßig aufgefrischt werden“, heißt es von Seiten des Bahnkonzerns.

„Unsere Fahrgäste sollen bei jedem Wetter verlässlich Bahn fahren können. Daher sorgen wir dafür, dass Schienen und Technik auch bei großer Hitze zuverlässig funktionieren“, sagt DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. „Die Auswirkungen des Klimawandels fordern uns heraus, neue Wege zu gehen. Die weißen Schienen sind ein solcher neuer Weg.“

Das Verfahren wird im Praxistest auf der Pfieffetalbrücke bei Melsungen in Nordhessen auf der Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg erprobt. Auf der Brücke gibt es zwei Gleise. Bei einem sind die Schienen auf einer Länge von tausend Metern weiß gefärbt, bei dem anderen nicht. An den Schienen zusätzlich installierte Sensoren messen nun rund um die Uhr die Temperatur des Stahls. Ein Computer wertet die Daten aus und vergleicht die „Fieberkurven“ der normalen mit denen der weißen Schienen. Bis zum Jahresende sollen die Daten ausgewertet sein. Zeigt sich, dass weiße Farbe auch im realen Bahnbetrieb tatsächlich kühlt, soll die weiße Schiene auch an anderen Stellen eingesetzt werden.

Die weiße Schiene ist DB-Angaben zufolge eine von vielen Aktivitäten, die ein Expertenteam der Deutschen Bahn vorantreibt, um die Bahn auf Klimaveränderungen wie zunehmende Hitze vorzubereiten. Zur zusätzlichen Kühlung von Anlagen und Technik testet das Unternehmen unter anderem auch den Einsatz von hochisolierendem Aerogel. Darüber hinaus werden Erkenntnisse aus der Bionik genutzt – etwa bei Schalthäusern, deren Dämmung Kaktuslamellen nachempfunden ist. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Infrastruktur für Extremwetter robuster zu machen.


red