Jeden Monat dreistellige Millionenverluste – Corona-Krise sorgt für tief rote Zahlen beim DB-Konzern

Foto: DB AG

Die Deutsche Bahn ist seit Beginn der Corona-Krise im März operativ „in die Verlustzone geraten“. Jeden Monat entstehe ein Verlust „in dreistelliger Millionenhöhe.“ Das schreibt DB-Chef Richard Lutz in einem internen Rundschreiben an die Belegschaft.

Die Pandemie habe nie dagewesene Löcher in die Konzernbilanz gerissen, heißt es laut Medienberichten aus dem Papier. Aus Sicht des Konzernchefs müssen sich daher die Beschäftigten der Deutschen Bahn trotz sich allmählich erholender Fahrgastzahlen auf schwierige Zeiten einstellen. „Operativ sind wir mit der Eisenbahn in Deutschland seit März in die Verlustzone geraten, und zwar jeden Monat in dreistelliger Millionenhöhe“, schreibt Lutz. „Das wird trotz der erwarteten und erhofften Erholungen bis zum Jahresende so bleiben und im laufenden Geschäftsjahr zum größten operativen Verlust in der Geschichte der DB führen.“

Um den Staatskonzern wieder zu stabilisieren, kämen die notwendigen Milliarden aber nicht alleine vom Bund als Eigentümer. Lutz zufolge müssten auch die Beschäftigten ihren Teil dazu beitragen. „Wir alle stehen im Wort und in der Verantwortung“, so der Bahnchef. Beim Personal will das Unternehmen mindestens zwei Milliarden Euro einsparen – jedoch ohne Entlassungen und mit Fortsetzung der Einstellungsoffensive mit jährlich bis zu 25.000 neuen Mitarbeitern. Rund 150 bis 180 Millionen Euro sollen durch weitgehend ausfallende Boni für Vorstand und Führungskräfte eingespart werden. Dieser Sparbetrag solle aber nur einmalig für das Geschäftsjahr 2020 anfallen. Danach müssten an anderer Stelle Kosten reduziert werden.

Laut einem Bericht des Handelsblatt befürchten Betriebsräte und Gewerkschafter daher, dass der Vorstand Mini-Lohnsteigerungen oder gar eine Nullrunde durchsetzen will. Die anstehenden Tarifverhandlungen könnten für Personalchef Martin Seiler daher brisant werden. Auch wenn der Tarifvertrag erst am 28. Februar 2021 ausläuft, starten die Verhandlungen schon jetzt.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) legt sich laut einem Medienbericht schon mal fest. „Eine Nullrunde wird es mit uns nicht geben“, sagte der EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel dem Handelsblatt. „Wir wollen sicherstellen, dass den Eisenbahnern nicht in die Tasche gegriffen wird.“

Die Gewerkschaft fürchtete bereits, dass 10.000 Jobs gefährdet sein könnten, was später vom Bahnbeauftragten der Bundesregierung verneint wurde. Dabei bedeuteten „10.000 gefährdete Arbeitsplätze nicht Entlassungen, sondern dass frei gewordene Stellen nicht besetzt werden, obwohl das notwendig ist“, sagte Hommel. Der EVG-Chef sei zudem der Ansicht, dass die Zahl 10.000 wahrscheinlich noch zu tief gegriffen sei.


red