Körperliche Angriffe auf Lokführer und Zugbegleiter deutlich gestiegen – GDL fordert „dringende Konsequenzen“

Foto: Bahnblogstelle

Die im Frühjahr 2019 durchgeführte Onlinebefragung „Mit Sicherheit“ beim Zugpersonal aller Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland hat „erschütternde Ergebnisse“ zutage gebracht. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte die bundesweite Umfrage in Auftrag gegeben und die Auswertung am gestrigen Dienstag vorgestellt.

Wie die GDL verkündete, waren die Ergebnisse der Onlinebefragung sogar noch schlechter als die ohnehin schon dramatischen Werte der ersten Umfrage drei Jahre zuvor. Demnach werden Lokführer und Zugbegleiter im Schnitt zweimal jährlich körperlich angegriffen. Das sei eine Verdoppelung zur Befragung aus dem Jahr 2016. GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky: „Das ist ein unhaltbarer Zustand, der mit allen Mitteln schnellstmöglich verbessert werden muss. Unsere Kolleginnen und Kollegen werden bisher nicht ausreichend geschützt.“ Ändern müsse sich auch dringend etwas im Bereich der nur als mangelhaft zu bezeichnenden Vorsorge und der Betreuung durch die Arbeitgeber nach solchen Ereignissen.

Rund 2.500 Lokführer und Zugbegleiter haben den 26-seitigen Fragebogen der Umfrage beantwortet. Laut der GDL zeige ein Vergleich mit den offiziell verfügbaren Zahlen, dass die Dunkelziffer bei den tatsächlichen Belastungen aber offenbar noch weitaus höher liegt. Weselsky zufolge sei dies nachvollziehbar: „Wer die Hoffnung auf Hilfe aufgegeben hat, wird kaum noch Veranlassung haben, jeden dieser schlimmen Vorfälle zu melden, so lange er noch halbwegs glimpflich davon gekommen ist.“ Diese Resignation korreliert mit den durchweg schlechten Noten bei der Vorsorge und der Betreuung der Arbeitgeber nach entsprechenden Ereignissen. Die GDL warnt daher: „Hohe Belastung, noch dazu bei mangelnder Betreuung, kann zu psychischen und körperlichen Schäden bis hin zur Berufsunfähigkeit führen.“

GDL will künftig neue Wege einschlagen

Zur Frage, was die wissenschaftliche Auswertung zur aktuellen Belastungssituation des Zugpersonals in Deutschland für die GDL bedeutet, erklärt Weselsky: „Konsequenzen sind dringend erforderlich.“ Die GDL will daher in Zukunft „neue Wege einschlagen“. Dazu brauche es engagierte inhaltliche Mitarbeit und letztendlich auch geistige wie finanzielle Ressourcen, die nur durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten und Institutionen gehoben werden können. „Wir werden unnachgiebig für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen unserer Mitglieder eintreten – und zwar so lange, bis auch der letzte Arbeitgeber verstanden hat, dass man nicht fahrlässig mit der wertvollen Ressource Mensch umgehen darf“, verspricht der GDL-Bundesvorsitzende und weiter: „Wir haben mit der vorliegenden Auswertung einen Meilenstein zum Schutz der Beschäftigten und zum Erhalt und zur Entwicklung der ehrenwerten Berufe des Zugpersonals gesetzt. Was wir mit dieser Umfrage herausgefunden haben, muss – und wird auch – Konsequenzen haben.“


red