Baden-Württemberg: Lokführer-Personalpool startet im kommenden Jahr

Foto: VM BW (Archiv)

Eisenbahnverkehrsunternehmen in Baden-Württemberg können ab Juni 2021 auf einen Lokführer-Pool zurückgreifen, um Engpässe beim eigenen Personal vorübergehend auszugleichen. Den Zuschlag im damit zusammenhängenden Vergabeverfahren erhielt die DB Regio AG.

Mit der Schaffung des Lokführer-Pools sollen personalbedingte Zugausfälle im Sinne der Fahrgäste reduziert werden. „Ich bin sehr froh, dass wir mit der DB einen Lokführerpool aufbauen können“, sagte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann. Beginnend ab dem kommenden Jahr sollen zunächst 30, ab April 2022 insgesamt 50 Triebfahrzeugführer zur Verfügung stehen. Der Zuschlag ging an die DB Regio AG, die im Rahmen der Ausschreibung des Pools in beiden Losen „das wirtschaftlichste Angebot abgegeben“ hatte. Der Pool soll mindestens bis Juni 2025 bestehen. Über eine Fortführung soll im Jahr 2024 entschieden werden.

Laut einer Mitteilung des baden-württembergischen Verkehrsministeriums müssen die Abrufe aus dem Pool mindestens 60 Tage vor dem ersten vorgesehenen Einsatztag erfolgen. Die Verteilung der Lokführer aus dem Pool auf die abrufenden Unternehmen erfolgt über die landeseigene Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH (NVBW). Nicht abgerufene Mitarbeiter können von der DB Regio AG selbst eingesetzt werden.

Die DB Regio AG will für den Pool teilweise neue Lokführer ausbilden. Teilweise sollen aber auch Lokführer aus dem eigenen Personalbestand für den Pool eingesetzt werden. Die Kosten für die Neuausbildung will das Land übernehmen. Ebenso trägt das Land 50 Prozent des negativen Saldos, sofern aus der Tätigkeit des Pools in einem Jahr Verluste für die DB Regio AG entstehen. Sofern mit dem Betrieb des Pools in einem Jahr Gewinne entstehen, erhält das Land eine Rückzahlung auf die geleistete Finanzierung der Ausbildungskosten in Höhe von 50 Prozent des positiven Saldos.

Die Preise für den Abruf der Lokführer bestimmt die DB Regio AG in eigener Verantwortung. Sie kann somit dafür Sorge tragen, dass der Pool optimal ausgelastet wird. Minister Hermann erläuterte: „Mit dem Personalpool testen wir erstmals ein Instrument, das es bundesweit so noch nicht gibt. Ich hoffe, dass damit personalbedingte Zugausfälle künftig deutlich reduziert werden können. Im Wesentlichen geben wir eine Anschubfinanzierung und überlassen es dann den Kräften des Marktes, den Pool zum Erfolg zu führen. Gerade Eisenbahnunternehmen, die noch nicht seit Jahrzehnten als Arbeitgeber in Baden-Württemberg bekannt sind, können den Pool nutzen, um vorübergehend ihre Mannschaft zu verstärken.“

Ein erstes Vergabeverfahren über einen Personalpool wurde im November 2019 zunächst aufgehoben, weil nach Angaben des baden-württembergischen Verkehrsministeriums damals keine wirtschaftlichen Angebote erfolgten.


red