Letzte Intercity-Fahrt für die Baureihe 120 – Erste Serien-Drehstromlok verabschiedet sich

Foto: Kai Triebe | aktualisiert am 6. Juli 2020, 17:22 Uhr

Die erste für den Hochgeschwindigkeitsverkehr in Serie gebaute Drehstrom-Lokomotive, die Baureihe 120, hat sich nun offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Für IC 2161 war sie am Sonntag (5. Juli) von Stuttgart nach München zum letzten Mal planmäßig im Fernverkehr der Deutschen Bahn unterwegs.

Sie war etwas besonderes – nicht nur für Eisenbahnfreunde, sondern auch aus technischer Sicht: Die Baureihe 120 gilt als erste auf Drehstromantriebstechnik basierende Serien-Lokomotive der Welt. Mehr als drei Jahrzehnte lang war sie ab Mitte der 1980er Jahre für die Deutsche Bahn im Einsatz – sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Den Anfang machten fünf Vorserienfahrzeuge, die ab 1979 ausgeliefert wurden. Für damalige Verhältnisse war diese Baureihe ein Meilenstein in der Entwicklung elektrischer Lokomotiven. Außerdem verfügte die Lok über eine elektrische Bremse, mit der bereits damals gewonnene Bremsenergie zurück in die Oberleitung gespeist werden konnte. Die bei der Baureihe 120 verwendete Drehstromtechnik war zudem wegweisend für die Entwicklung der ersten ICE-Triebköpfe.

Foto: Bahnblogstelle

Die 84 Tonnen schwere und 5.600 kW starke Baureihe 120 ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h zugelassen, hat aber in früheren Rekordfahrten bewiesen, dass die Maschine auch mehr schaffen kann. So erreichte die Vorserienlok 120 002 am 13. August 1980 auf der Bahnstrecke Hannover–Hamburg zwischen Celle und Uelzen mit 231 km/h einen neuen Weltrekord für Drehstromfahrzeuge. Gut vier Jahre später, am 17. Oktober 1984, erreichte die 120 001 inklusive Wagenzug mit 250 Tonnen Last auf der Strecke zwischen Augsburg und Donauwörth eine Geschwindigkeit von 265 km/h.

Nach vierjähriger Erprobung wurden ab 1984 insgesamt 60 Serienlokomotiven der Baureihe 120.1 bestellt. Die Investitionskosten beliefen sich damals auf insgesamt 380 Millionen D-Mark; der Stückpreis pro Triebfahrzeug lag bei etwa 5,5 Millionen D-Mark. Die Auslieferung der Serienloks erfolgte in den Jahren 1987 bis 1989. Eingesetzt wurden die Triebfahrzeuge der Baureihe 120.1 für die damalige Deutsche Bundesbahn, tagsüber im Intercity- und Interregio-Verkehr und nachts im schnellen Güterzugverkehr.

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Über 30 Jahre später geht nun die Ära der 120er im Fernverkehr der Deutschen Bahn zu Ende. Die schrittweise Ausmusterung der Flotte begann bereits vor einigen Jahren. Am gestrigen Sonntag erfolgte nun mit den Loks 120 102 und 120 105 die offiziell letzte Fahrt eines Intercity mit dieser Baureihe.


red