Konzept für mögliche Neufahrzeuge ab 2027 in Berlin – Bombardier bringt sich für S-Bahn-Ausschreibung ins Spiel

Foto: Bombardier

Im Rahmen der Vergabe der Berliner S-Bahn-Teilnetze Nord-Süd und Stadtbahn für den Betrieb ab Ende 2027 werden auch Unternehmen gesucht, die die künftigen S-Bahn-Züge bauen und instand halten. Der Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation hat sich nun bereits mit einem ersten Fahrzeugkonzept ins Gespräch gebracht.

Zwischen 327 und 540 sogenannte Halbzüge (Vier-Wagen-Einheiten) sollen in den kommenden Jahren für den Einsatz im Berliner S-Bahn-Netz angeschafft werden. Nach der Auslieferung sollen die Fahrzeuge erstmals in den Landesbesitz übergehen. Außerdem übernehmen die Hersteller, die die Zugflotte liefern, zusätzlich die Instandhaltung für die Dauer von 30 Jahren. Damit soll sichergestellt werden, dass sich ein Desaster wie die S-Bahn-Krise von 2009 nicht wiederholt. Damals führten Sicherheitsmängel aufgrund der unzureichenden Fahrzeuginstandhaltung zur vorübergehenden Außerbetriebnahme von einem Großteil der S-Bahn-Züge durch das Eisenbahn-Bundesamt. In der Folge fiel auf ganzen Linien der S-Bahnbetrieb über längere Zeit aus.

Die nun anstehende Ausschreibung umfasst vier Einzellose. Unternehmen können sich dabei für den Fahrbetrieb sowie für die Fahrzeuglieferung/Instandhaltung auf den beiden Teilnetzen Nord-Süd und Stadtbahn bewerben. Während der S-Bahnbetrieb für einen Zeitraum von 15 Jahren ausgeschrieben wird, soll der Bereich Fahrzeuginstandhaltung für die doppelter Dauer vergeben werden. Wie Dagmar Blume, Leiterin Strategische Großprojekte bei Bombardier, gegenüber der Berliner Zeitung sagte, sei der Instandhaltungszeitraum von 30 Jahren auch eine Chance für die Zughersteller: „Sie können die Fahrzeuge für einen langen Lebenszyklus berechnen und auslegen, weil es sich für sie rechnet.“ Bei Bombardier freue man sich, dass man die Chance bekomme, „die künftige S-Bahn-Generation zu gestalten, zu bauen und zu warten“, so Blume.

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Die Ausschreibungsunterlagen der Länder Berlin und Brandenburg definieren, welche Merkmale die neue S-Bahn, die wahrscheinlich Baureihe 486 heißen wird, aufweisen muss. Unter anderem sollen die neuen klimatisierten Züge über große barrierefreie Mehrzweckbereiche verfügen, die Rollstuhlfahrern sowie Fahrgästen mit Gepäck, Kinderwagen und Fahrrädern genug Platz bieten. Neben Sitz- und Stehplätzen seien Becherhalter für Getränke und kabellose Ladestationen für Handys unter den Fenstern vorgesehen. Aber auch Steckdosen soll es geben. Und sollten zukünftige Pandemien erneut Abstandsregelungen erzwingen, so soll es einfach möglich sein, Sitze ein- und auszubauen. Ähnlich wie bei der Straßenbahn in Toronto und in einigen Bahnen in Asien wäre auch die Verwendung von antibakteriell beschichteten Haltestangen, Wandverkleidungen und anderen Einbauten möglich. Die Türtechnik wiederum lasse sich so gestalten, dass Türen berührungslos geöffnet werden können – mit Sensoren oder Lichtschranken, erklärte Blume gegenüber der Zeitung. Ein Einbahnstraßensystem mit Markierungen zur Fahrgastlenkung wäre ebenfalls machbar.

Welche Unternehmen den Zuschlag erhalten, wird sich voraussichtlich erst in rund zwei Jahren entscheiden. Die ersten neuen Züge sollen ab Dezember 2027 auf der Nord-Süd-Route unterwegs sein. Auf der Stadtbahn ist der Start für Februar 2028 vorgesehen. Sollte Bombardier den Großauftrag für sich gewinnen können, wäre der Werksstandort in Hennigsdorf, nordwestlich von Berlin, sicherlich auf viele Jahre gesichert. Dieser stand in der Vergangenheit immer wieder zur Debatte – aktuell auch im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Bombardier durch Alstom.

Das Auftragsvolumen für die Instandhaltung der Neufahrzeuge soll sich auf 2,8 Milliarden Euro belaufen. An der Ausschreibung sind zahlreiche Bahntechnikhersteller, darunter auch der chinesische Zugbauer CRRC, interessiert.

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Kritik an der Ausschreibung und der Aufteilung auf bis zu vier Lose kommt von Seiten der SPD, der Linkspartei und der Gewerkschaften. Das Aktionsbündnis gegen die Zerschlagung und Privatisierung der S-Bahn will Mitte August unter dem Motto „Eine S-Bahn für alle“ in Berlin demonstrieren.


red