ARD-Sendung „Panorama“: Deutsche Bahn zahlte zu viel für IT-Leistungen an eigenes Tochterunternehmen

Foto: Bahnblogstelle

Laut Recherchen des ARD-Magazins Panorama soll die Deutsche Bahn über Jahre hinweg viel zu hohe Preise für IT-Dienstleistungen an das eigene Tochterunternehmen DB Systel gezahlt haben.

Einer bis Ende 2019 geltenden Preisliste zufolge verlangte das IT-Unternehmen DB Systel, eine Tochter der Deutschen Bahn AG, mitunter das Zwanzigfache der marktüblichen Summen. DB Systel vermietet etwa Speicherplatz auf Servern oder bietet Computer-Support. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main beschäftigt mehr als 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ein von der ARD-Sendung ausgesuchtes Einzel-Angebot für digitale Infrastruktur kostet bei der DB-Tochter rund 300 Euro pro Monat. Ein vergleichbares Angebot bei einem Anbieter ähnlicher Produkte liegt laut dem Bericht bei monatlich 14,49 Euro. „Als ich das Angebot gesehen habe, war ich schon überrascht, dass einem Kunden so viel berechnet werden kann“, so Felix Preuß, Geschäftsführer des Internet-Dienstleisters netcup. „Den Kunden hätte ich auch gerne.“

Die Bilanzen der Tochter des bundeseigenen Bahnkonzerns werden nicht veröffentlicht und auch nicht vom Bundesrechnungshof kontrolliert. Fachleute sehen aufgrund dieser Konstruktion die Möglichkeit, dass sich einzelne Bahntöchter wie etwa die DB Netz künstlich ärmer rechnen könnten – um so möglicherweise mehr Geld vom Staat zu bekommen. Denn nicht für alle Tochterunternehmen muss die Bahn laut Handelsgesetzbuch die Bilanzen offenlegen, für die DB Systel GmbH zum Beispiel nicht. „Der Verdacht ist immer da, dass man solche Tochtergesellschaften auch nutzen kann, um Gewinne abzuschöpfen“, sagt der Wirtschaftsprofessor und Verkehrsexperte Christian Böttger im ARD-Interview.

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Dem Panorama-Bericht zufolge bestreitet die Deutsche Bahn AG den Vorwurf der überhöhten Preise. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis der DB Systel GmbH ist nachweislich marktüblich“, heißt es in einer Stellungnahme. Die Leistungen würden „seit Jahren durch unabhängige Beratungsunternehmen mit vergleichbaren Produkten von Wettbewerbern verglichen.“ Um welche Beratungsunternehmen es sich handelt, habe die Deutsche Bahn aber nicht mitgeteilt. Auch einen Vergleichsbericht legte der Konzern laut den Beitragsmachern nicht vor.

Zu dem Vorwurf der Geld-Verschiebung äußerte sich die Konzernzentrale der Deutschen Bahn in der ARD-Sendung nicht. Das man nur Eckdaten von DB Systel ausweist und nicht den Geschäftsbericht des IT-Tochterunternehmens veröffentlicht, sei nicht regelwidrig. Das entspreche den gesetzlichen Vorgaben, erklärte eine Bahnsprecherin.


red