„Fürsorgepflicht statt Aufforderung zur Denunziation!“ – Bahngewerkschaften sind schockiert über Twitter-Post

Foto: Pixabay / Screenshot Twitter | aktualisiert am 25.07.2020, 13:50 Uhr

Die beiden Bahngewerkschaften GDL und EVG zeigen sich entsetzt über einen Twitter-Post der Deutschen Bahn, der inzwischen gelöscht wurde.

In dem Tweet rief der DB-Konzern vor wenigen Tagen Reisende dazu auf, zu melden, wenn sie DB-Beschäftigte ohne Mund-Nasen-Schutz sehen. „Das ist eine Aufforderung zur Denunziation“, reagiert die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) schockiert und fügt hinzu: „das geht gar nicht!“ Ähnlich äußert sich auch die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL): „Das ist an Schäbigkeit kaum zu überbieten! Mit dieser unwürdigen Aktion gibt die DB ausgerechnet jene Mitarbeiter der Denunziation preis, die – nicht den Luxus des Homeoffice genießend – tagtäglich ihrer Arbeit in den Zügen nachgehen und ohnehin dem erhöhten Risiko einer Ansteckung ausgesetzt sind.“

Laut den beiden Gewerkschaften haben die Mitarbeiter während der Corona-Pandemie tagtäglich auf den Zügen dafür Sorge getragen, dass diese fahren und damit ein Mobilitätsangebot bestehe. Wertschätzung für diese Kollegen „sieht anders aus!“

Die Deutsche Bahn hat den Tweet mittlerweile zwar gelöscht – aber das reicht den beiden Gewerkschaften nicht. Sowohl die EVG als auch die GDL fordern das Unternehmen auf, den Vorgang aufzuklären. Außerdem sollte sich der DB-Konzern als Arbeitgeber bei allen betroffenen Mitarbeitern „nachvollziehbar“ und „erreichbar“ entschuldigen.

Deutsche Bahn reagiert auf Kritik

Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte ein Bahnsprecher am Samstag, dass man leider schlicht und einfach „mit einem Standardtext“ falsch geantwortet habe. Dafür wolle man sich entschuldigen. Weiter heißt es in der Antwort: „Richtig ist erstens: Wir weisen unsere Mitarbeiter allein über die internen Dienstwege an, der Maskenpflicht nachzukommen. Und richtig ist zweitens, was auch immer wieder öffentlich gewürdigt worden ist: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten gerade in diesen Monaten Großartiges und halten den Verkehr auf der Schiene aufrecht.“ Zu weiteren Nachfragen wollte sich die DB-Pressestelle bislang nicht äußern.


red