Deutsche Bahn hat noch keine Erfahrung mit Hybrid-Triebzügen im Fahrgastbetrieb

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Die Deutsche Bahn besitzt bislang keine im Fahrgastbetrieb eingesetzten Triebzüge mit Hybridantrieb. Bei den Herstellern sind aber verschiedene Systeme in der Entwicklung, und erste Beschaffungen seien auf dem Weg, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion.

Laut den Zahlen der Deutschen Bahn sind bislang etwa 61 Prozent des DB-Streckennetzes elektrifiziert; der EU-Durchschnittswert liegt bei 54 Prozent. Außerdem werden derzeit bereits über 90 Prozent der Verkehrsleistung mit elektrischer Traktion erbracht. Auf den übrigen Strecken, die über keine Oberleitung verfügen, werden nahezu ausschließlich Dieselfahrzeuge eingesetzt.

Aktuell verfügt die Nahverkehrstochter der Deutschen Bahn, DB Regio, laut der Vorlage über 1.204 Dieseltriebzüge – sogenannte Diesel Multiple Unit (DMU). Der Antwort zufolge legten die DMU-Züge der DB Regio AG im Jahr 2019 rund 91,9 Millionen Trassenkilometer auf dem Streckennetz zurück. Das entspreche 13 Prozent der Gesamtbetriebsleistung des DB Konzerns. Die Nahverkehrstochter der Deutschen Bahn geht nach eigener Auskunft davon aus, dass nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern sektorweit in den nächsten 10 bis 15 Jahren mehrere 100 DMU-Züge aufgrund des Erreichens der wirtschaftlichen Nutzungsdauer ausgetauscht werden müssen. Eine Alternative könnten hier möglicherweise Hybridfahrzeuge sein.

Nach DB-Angaben setzt die Regio-Tochter in verschiedenen Vorhaben auf die Minimierung des Dieselkraftstoff-Verbrauchs der Bestandsflotte: Aktuell seien von den DMU-Zügen mehr als 800 Fahrzeuge mit einem Telematiksystem zur Energieverbrauchsminimierung ausgerüstet. Bei rund 320 Fahrzeugen, vorwiegend jüngerer Baureihen, sei das sogenannte Regio-Energiesparsystem RESY aktiviert worden, mit dem der Energieverbrauch um 6 bis 10 Prozent minimiert werden könne. Bei älteren Fahrzeugen ließen die Motorbauarten eine solche Steuerung kurzfristig nicht zu, heißt es weiter.

Die Deutsche Bahn verweist darauf, dass die kommerzielle und technische Ausgestaltung (Antriebsart, Einsatz von Neu- oder Bestandsfahrzeugen etc.) den Auftraggebern obliegt. Bei der Zusammenstellung der Flotten sind nach Auskunft der DB AG die externen Rahmenbedingungen des Marktes zu beachten. Die Mehrzahl der Fahrzeugbeschaffungsverfahren werde in Leasingpools überführt bzw. erfolgt für Kapitalgesellschaften (sale and lease-back) oder Zweckgesellschaften in öffentlicher Hand.

Hybrid-Triebzüge als Alternative?

Bislang seien im Bestand der DB AG noch keine dieselelektrischen Hybrid-Triebzüge (DHEMU) vorhanden. Lediglich im Rahmen des vom Bundesverkehrsministerium (BMVI) geförderten Forschungsprojekts „Eco-Train“ ist bislang ein gewöhnlicher Dieseltriebzug zu einem dieselelektrischen Hybridfahrzeug umgerüstet worden. Als Gesamtkosten für diese Entwicklung waren bei der DB RegioNetz Verkehrs GmbH zwölf Millionen Euro vorgesehen. Das Vorhaben ist noch nicht abgeschlossen. Laut der Antwort gebe es derzeit keine fortgeschrittenen oder aktuellen Planungen zur Umrüstung von DMU-Zügen auf DHEMU.

Wie die Regierung weiter ausführt, habe der Bund im vergangenen Jahr zudem knapp sechs Milliarden Euro in die Entwicklung von Zügen mit Brennstoffzellen-Hybridantrieb (FCEMU) investiert. Im Bestand der DB-Flotte befinden sich bislang aber keine Züge dieser Art.

Auch über Oberleitungs-Batterie-Hybrid-Triebzüge, sogenannte Battery Electric Multiple Units (BEMU), verfügt die Deutsche Bahn bislang nicht. Allerdings soll ein BEMU-Prototyp (Talent 3) des Zugherstellers Bombardier nach Auskunft der Deutschen Bahn ab 2021 auf der Strecke der DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH (RAB) im Realbetrieb getestet werden.

Hybrid-Loks im Rangierdienst

Gegenüber dem Einsatz herkömmlicher Rangierloks ist nach Auskunft der DB AG beim Einsatz der H3-Hybridlokomotive von Hersteller Alstom bei gleichem Betriebskonzept eine Einsparung von rund 30 Prozent Kraftstoff und CO2 festzustellen. Allerdings seien nach vier Jahren Betriebseinsatz „die Grenzen der Batterietechnologie mit Nickel-Cadmium-Batterien erkennbar.“ Hersteller Alstom will hier mit neuer Technik in Form von Lithium-Ionen-Akkus entgegenwirken, heißt es in der Antwort weiter. Zudem schreibt die Regierung nach Auskunft der DB-Tochter: „Die Mehrkosten der neuen Technologie der H3-Hybridlokomotive lassen sich bei gleichem Betriebskonzept trotz eines um 30 Prozent verringerten Kraftstoffverbrauchs noch nicht egalisieren.“ Grund sei ein Mehraufwand bei Personal und Instandhaltung. Da der Bedarf an Rangierloks bei der DB Regio AG aber aufgrund des vermehrten Einsatzes von Triebzügen kontinuierlich abnimmt, seien aktuell keine weiteren Neubeschaffungen geplant.


red