GDL-Studie: Zugpersonale erleben im Berufsalltag „sehr häufig“ belastende Ereignisse

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Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat am Donnerstag unter dem Titel „Berufsalltag des Zugpersonals – mit Prävention und Sicherheit gestalten!“ gemeinsam mit prominenten Akteuren des Eisenbahnwesens über Maßnahmen zum besseren Schutz der Mitarbeiter diskutiert.

Grundlage für die Veranstaltung war die von der GDL in Auftrag gegebene Umfrage „Mit Sicherheit“, die zwischen Mai und Juni 2019 durchgeführt wurde. Umgesetzt und ausgewertet wurden die Daten der Online-Befragung, an der damals rund 2.500 Lokführer und Zugbegleiter teilgenommen haben, von der bao – Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie GmbH in Berlin. Im Rahmen der Vorstellung des Berichts machte Hauptautor Matthias Becker deutlich, dass sich die Arbeitssituation für das Zugpersonal seit der Erstbefragung im Jahr 2016 noch weiter verschlechtert hat. Nach Ansicht der Verfasser seien Konzepte, die perspektivisch zu einem Rückgang der Belastungen führen, unvermeidlich.

Laut den 🔗 Ergebnissen der Befragung treten belastende Ereignisse im Berufsalltag der Zugpersonale „insgesamt sehr häufig auf“. Unterschieden wurde in die drei Kategorien „Unfall“, „Angriff“ und „Wahrnehmung“, die insgesamt 15 Einzelereignisse umfassten. Während Angriffsereignisse auch im Hinblick auf die Erstbefragung als feste Bestandteile des Berufsalltags beim Zugpersonal zu betrachten seien und insbesondere im Bereich der Zugbegleiter in besorgniserregendem Umfang auftreten, „muss die wirksame Berücksichtigung derartiger Vorkommnisse in den bisherigen Arbeitsschutzstrategien bezweifelt werden“, heißt es im Bericht. Sehr stark hinsichtlich ihrer Häufigkeit und den Auswirkungen unterschätzt werden dem Bericht zufolge bisher die sogenannten Wahrnehmungsereignisse wie Beinaheunfälle, das Beobachten von Gewalt oder auch das Antäuschen von Suiziden – letzteres insbesondere für Lokführer. Zu den wichtigsten sich aus der Studie ergebenden Erkenntnissen gehört laut den Autoren, dass die den Kategorien „Angriff“ und „Wahrnehmung“ zuzuordnenden Ereignisse in erschreckend hohen Größenordnungen berichtet werden.

Angriffsereignisse

Beim Thema Angriffsereignisse stechen laut der Studie die Vorkommnisse „Beleidigung“ und „Bedrohung“ besonders hervor. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Zugbegleiter in der Kategorie „Angriff“ im Schnitt mindestens doppelt so viele Ereignisse wie Lokführer erleben. Die Zugbegleiter berichten auf das Jahr 2018 bezogen, durchschnittlich:

          • 35-mal beleidigt,
          • 14-mal bedroht,
          • mehr als viermal angespuckt,
          • zweimal körperlich angegriffen und
          • sechsmal sexuell belästigt worden zu sein.

 Die Lokführer nennen auf das Jahr 2018 bezogen, durchschnittlich:

          • 14-mal beleidigt,
          • sechsmal bedroht,
          • mehr als zweimal angespuckt,
          • einmal körperlich angegriffen und
          • zweimal sexuell belästigt worden zu sein.

Unfallereignisse

In der Kategorie „Unfall“ zeigt sich nur ein minimal höherer Wert bei den Lokführern. Durchschnittlich erlebten Lokführer wie Zugbegleiter zwei Unfall-Ereignisse im Jahr 2018.

Das Einzelereignis „Aufprall“ sticht in der Kategorie der Unfallereignisse deutlich hervor. Sowohl Lokführer als auch Zugbegleiter berichten von vier Aufprallereignissen im Jahr 2018. In den verbleibenden Einzelereignissen scheinen die Zugbegleiter immer etwas höhere Fallzahlen als die Lokführer zu erleben. Worin sich dieser Unterschied begründet, könne nur vermutet werden. Laut den Autoren wäre es denkbar, dass von jedem einzelnen Unfallereignis häufig mehrere Zugbegleiter gleichzeitig betroffen sind, während dies für den Einzelarbeitsplatz des Lokführers durchweg selten der Fall ist.

Den Zahlen der Studie zufolge haben von zehn Befragten im Berufsleben bereits:

          • mehr als fünf Aufprall-Ereignisse erlebt,
          • annähernd fünf das Ereignis Personenunfall erfahren,
          • mehr als zwei bereits Tote oder Schwerverletzte aufgefunden, einen Bahnbetriebsunfall oder einen Brand erlebt und
          • hat einer einen tödlichen Unfall beobachtet.

Wahrnehmungsereignisse

Lokführer wie Zugbegleiter berichten in der Kategorie „Wahrnehmung“ bezogen auf 2018 von durchschnittlich:

          • circa acht Gewaltbeobachtungen
          • vier Beinaheunfällen und
          • zwei Beschuss-, Bewurf- oder Blendungsereignissen.

Das Ereignis „Androhung / Antäuschung von Suizid“ kommt hingegen mit mehr als vier Erlebnissen bei den Lokführern erwartungskonform häufiger als bei den Zugbegleitern vor.

Von zehn Befragten berichten:

          • mehr als sechs von Beinaheunfällen im Berufsleben,
          • fast fünf von Gewaltbeobachtungen,
          • mehr als drei von angedrohten beziehungsweise angetäuschten Suiziden sowie ebenfalls
          • mehr als drei schon einmal beschossen, beworfen oder geblendet worden zu sein.

red