SBB: Corona-Krise hat Ressourcenmangel beim Lokpersonal verschärft – Ausbildungsmaßnahmen verzögern sich

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Auch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben weiter mit den Auswirkungen der Corona-Krise zu kämpfen. Nach Angaben des Unternehmens verzögert sich die Ausbildung neuer Lokführer aufgrund der „aufwändigen Schutzkonzepte.“ 

Wie die SBB mitteilen, bleibt der Bestand an einsetzbaren Lokführern trotz „intensiver“ Bemühungen „vorerst knapp“. Die Corona-Krise habe die Situation zusätzlich verschärft, „da die Ausbildung mit Verzögerung bzw. im Rahmen von aufwändigen Schutzkonzepten durchgeführt werden muss.“ Mit einer deutlichen Entspannung rechnen die SBB erst ab Mitte 2021. Aus diesem Grund sollen „gewisse Leistungen“, die infolge der Pandemie ausgesetzt wurden, vorerst nicht wieder hochgefahren werden.

Das Coronavirus habe dazu geführt, dass „viele Aus- und Weiterbildungen während längerer Zeit nicht durchgeführt werden konnten“, erklären die SBB. Zudem seien die Ausbildungen auf den Fahrzeugen auch heute nur mit Restriktionen möglich. So werde die Schulung auf dem Führerstand aktuell mit weniger Personen durchgeführt, „was zu einer Verdoppelung der Ausbildungstage“ führe. „Folglich verschiebt sich der Abschluss der Ausbildungsklassen um zwei bis vier Monate und die Erhöhung der Ausbildungsklassen wird erst im Laufe des Jahres 2021 Wirkung zeigen.“

Vereinzelte Anpassungen im Fahrplanangebot

Nach Angaben der SBB bleibe die derzeitige Personalsituation in der West- und Deutschschweiz noch bis Jahresende angespannt. In einzelnen Regionen kommt es daher weiterhin zu den folgenden Fahrplanänderungen:

          • Im Raum Lausanne/Genève und Brig werden die Zusatzzüge in der Hauptverkehrszeit zunächst nicht hochgefahren. Gleiches gilt im Regionalverkehr zwischen Lausanne und St. Maurice, Vallorbe und Le Brassus sowie Lausanne und Vallorbe. Diese Maßnahmen bestehen bis zum Fahrplanwechsel im Dezember.
          • Ebenfalls betroffen sind Leistungen des Léman Express. Die SBB arbeitet hier nach eigenen Angaben gemeinsam mit den französischen Partnern an der Ausarbeitung der Angebotskonzepte.
          • Bei der Zürcher S-Bahn sind Leistungen, die im Zuge der Covid-19 bedingten Angebotsausdünnungen ausgesetzt wurden, erst teilweise (S20, S21, S23) oder noch gar nicht (S42) wieder hochgefahren. Diese Leistungen werden bis mindestens zum 6. September weiterhin nicht angeboten.
          • Die Zusatzzüge im Fernverkehr zwischen Zürich und Luzern in der Hauptverkehrszeit verkehren bis zum Fahrplanwechsel nicht.

Um die Situation beim Lokpersonal zu verbessern, sei die Zahl der Ausbildungsklassen „bereits 2019 deutlich erhöht“ worden. Laut den SBB werden im Herbst 2020 rund 340 neue Lokführer-Kollegen gleichzeitig in Ausbildung sein. Derzeit sind bei der SBB rund 3.500 Lokführer beschäftigt – davon 2.500 im Personen- und rund 1.000 im Rangier- und Güterverkehr. Außerdem will das Schweizer Bahnunternehmen eigenen Planungen zufolge seine Lokführer künftig für mehr Strecken und Fahrzeugtypen ausbilden, damit das vorhandene Personal flexibler eingesetzt werden kann.


red