Wird die Staudenbahn bis 2024 reaktiviert? – Finanzierung der Nebenbahnstrecke weiterhin unklar

Foto: Staudenbahn / Teichmann

Seit vielen Jahren arbeiten Hubert Teichmann und engagierte Helfer an den Plänen zur Reaktivierung der Staudenbahn. Ungewiss ist allerdings weiterhin die Finanzierung.

Die eingleisige Nebenbahnstrecke südwestlich von Augsburg, die von Gessertshausen über Markt Wald nach Türkheim führt, soll auf einem Teilabschnitt eigentlich reaktiviert werden. Der Termin verzögert sich jedoch seit Jahren. Aktuell wird eine Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke durch die idyllische Stauden-Region für 2024 angestrebt. Ob diese Planung aber tatsächlich zu halten ist, weiß im Moment niemand. Denn unklar ist derzeit, wer die Infrastrukturkosten für den Abschnitt von Gessertshausen bis Langenneufnach in Höhe von rund 22 Millionen Euro tragen könnte. Aus eigener Tasche würden die Betreiber der Staudenbahn diese Summe nicht bewältigen.

Interesse, die Bahnverbindung zu nutzen, ist von Seiten der Fahrgäste offenbar dar. Laut Grünen-Politikerin Stephanie Schuhknecht liegt der Streitpunkt aktuell allein in der Frage der Finanzierung der Infrastruktur. Im Lokalsender a.tv sagte Staudenbahn-Geschäftsführer Hubert Teichmann am Dienstag: „Mittlerweile ist das Problem ja so, dass mittelständische Unternehmen für die Reaktivierung eigentlich nicht mehr infrage kommen, sondern das diese bayerischen Rahmenbedingungen allenfalls von steuerfinanzierten Unternehmungen gestemmt werden können.“ Teichmann sieht hier einen „krassen Wettbewerbsnachteil“. Nach seiner Ansicht könne es nicht sein, dass Privatunternehmen schlechter gestellt werden als steuerfinanzierte Unternehmen.

Eine mögliche Finanzierung war vor einigen Monaten von Seiten der Banken abgelehnt worden. Als Hauptgrund nannten die Geldhäuser die Einnahmeunsicherheit aus der abgegebenen Bestellgarantie des Freistaats Bayern. So hatte die für den Nahverkehr zuständige Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) zwar eine 15-jährige Bestellgarantie mit einem festen jährlichen Zugkontingent abgegeben, stellte diese Garantie jedoch nicht einredefrei. Damit hätten die Trasseneinnahmen, mit denen unter anderem die Vorfinanzierung zurückgezahlt werden sollte, bei Zugausfällen entsprechend und theoretisch auch bis null gekürzt werden können, hieß es damals von Seiten der Staudenbahn-Betreiber. Somit bestand für die erforderliche Erstinvestition keine ausreichende Finanzsicherheit.

Für eine Teilfinanzierung durch das Gemeindefinanzierungsgesetz des Bundes sehen die Bürgermeister entlang der Strecke bislang nur wenig Hoffnung. „Da gibt es eine Kosten-Nutzen-Untersuchung – und da muss natürlich der Nutzen über dem magischen Wert 1,0 sein.“ Das werde bei reaktivierten Strecken ganz schlecht geschafft, sagte der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Langenneufnach und Vorsitzende des Staudenbahn-Schienenweg-Trägervereins, Josef Böck, gegenüber a.tv. Solange sich an den Rahmenbedingungen nichts ändere, sei die Situation weiterhin schwierig. Laut Böck sei man mit dem Landesverkehrsministerium aber bereits im Gespräch gewesen. Mit Änderungen an den Bedingungen sei jedoch im besten Fall frühestens erst in ein oder eineinhalb Jahren zu rechnen.

Bahnblogstelle hat bereits im Oktober 2016 über die Staudenbahn berichtet. Damals haben wir eine Samstagsfahrt von Augsburg nach Markt Wald und zurück begleitet. Eine Fotostrecke mit zahlreichen Bildern finden Sie hier.

Positivbeispiel Staudenbahn: Wie engagierte Eisenbahner eine Nebenbahn wiederbeleben


red