Provinzflughäfen schreiben rote Zahlen – Allianz pro Schiene: „Kleinstädte brauchen Gleise statt Flughäfen“

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Das Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene hat die Politik aufgefordert, aus der vom Bund für Umwelt und Naturschutz vorgestellten Studie über den wirtschaftlichen und ökologischen Schaden der Regionalflughäfen Konsequenzen zu ziehen.

Laut der Studie schreiben die Regionalflughäfen in Deutschland trotz Millionen-Subventionen rote Zahlen. Auch die Passagierzahlen seien bereits vor Corona rückläufig gewesen. Dennoch gab es 2018 allein mehr als 40 Millionen Euro aus öffentlichen Kassen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) kritisieren diese Verschwendung von Steuergeldern für Flughäfen, „die keinen verkehrspolitischen Nutzen haben und mit dem Angebot von Urlaubsflügen vor der Haustür die Klimakrise anheizen“, heißt es.

Auch der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, ist überzeugt, dass die Menschen auf dem Land und in Mittel- und Kleinstädten keine Regionalflughäfen sondern eine Schienenanbindung brauchen. „Statt überflüssige und klimaschädliche Regionalflughäfen zu subventionieren, muss Deutschland alle Anstrengungen auf eine bessere Anbindung der Menschen an die Schiene konzentrieren“, sagte Flege am Mittwoch in Berlin.

Einen Überblick über die Mittelzentren ohne Anschluss an das Bahnnetz in den einzelnen Bundesländern gibt eine aktuelle Karte der Allianz pro Schiene. Demnach haben alle Flächenländer mit Ausnahme Brandenburgs Mittelzentren ohne Schienenanschluss. Schlecht schneiden vor allem westliche Bundesländer wie Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ab. „Quer durch ganz Deutschland sind Menschen in Städten wie Aurich, Clausthal-Zellerfeld, Homberg und Herzogenaurach von der Schiene abgeschnitten. Gleichzeitig leistet sich die Bundesrepublik 14 Regionalflughäfen, die Kommunen, Länder und Bund mit hohen Subventionen am Leben erhalten. Diesen verkehrs- und klimapolitischen Unsinn können wir uns angesichts der sich verschärfenden Klimakrise nicht länger leisten“, so Flege.

Der BUND hatte beim Forum Ökologische-Soziale Marktwirtschaft eine Studie über Regionalflughäfen in Auftrag gegeben und am Mittwoch veröffentlicht. Demnach stehen die Nutzerzahlen in keinem angemessenen Verhältnis zu den Klimaschäden und den öffentlichen Subventionen. Überprüft haben die Wissenschaftler die drei Kriterien Wirtschaftlichkeit, Klimalast und Konnektivität (Beitrag zur Anbindung der Region an den internationalen Flugverkehr).

Dem Ergebnis der Studie zufolge schafften lediglich die Flughäfen Memmingen und Bremen in zwei der drei Kategorien eine positive Bewertung. Dortmund, Münster/Osnabrück, Dresden, Karlsruhe/Baden-Baden und Friedrichshafen, konnten nur in einem Punkt überzeugen. Die restlichen sieben Flughäfen hätten hingegen in allen drei Kriterien und damit auf ganzer Linie versagt.

Die Wirtschaftlichkeit der Flughäfen wurde auf der Grundlage der Geschäftsberichte aus den Jahren 2014 bis 2018 bewertet. Trotz insgesamt 206 Millionen Euro Subventionen in diesem Zeitraum habe es laut den Zahlen der Studie bis 2019 nur an drei von 14 bewerteten Flughäfen einen klaren Fluggastzuwachs gegeben: in Memmingen, Dortmund und Karlsruhe/Baden-Baden.


red