Eisenbahn-Bundesamt: Zu lange Züge, zu kurze Bahnsteige müssen befristete Ausnahme sein

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Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) stellt nach eigenen Angaben bei laufenden und geplanten Personenverkehren vermehrt Fälle fest, bei denen die Länge der Fahrzeugkonfigurationen nicht zur vorhandenen Infrastruktur, konkret zur Bahnsteiglänge, passt.

Dies hat zur Folge, dass nicht alle Fahrzeugtüren für den Ein- und Ausstieg am Bahnsteig genutzt werden können. Nach Angaben der für den Eisenbahnbetrieb zuständigen Aufsichtsbehörde müssen jedoch Fahrzeug- und Bahnsteiglängen aufeinander abgestimmt sein, damit die Sicherheit und Ordnung des Eisenbahnbetriebs gewährleistet ist. Das Halten längerer Züge an zu kurzen Bahnsteigen könne daher „nur der örtlich und zeitlich befristete Ausnahmefall sein.“

Wie das EBA in einer Mitteilung schreibt, muss die Sicherheit in diesem Fall im Rahmen eines Sicherheitsnachweises mit Festlegung geeigneter Kompensationsmaßnahmen gewährleistet werden. Dies liege in der Verantwortung der Eisenbahnverkehrsunternehmen, die den Verkehr durchführen und dem Eisenbahninfrastrukturunternehmen, das die Bahnsteige betreibt.

Das Eisenbahn-Bundesamt:

      1. erwartet von den beteiligten Unternehmen sowie auch den Aufgabenträgern der Länder als Besteller des Schienenpersonennahverkehrs eine frühzeitige Abstimmung der fahrzeug- und infrastrukturseitigen Anforderungen in einem geordneten Verfahren.
      2. empfiehlt, dass Ausschreibungen nur auf Grundlage eines mit allen beteiligten Unternehmen abgestimmten Konzeptes unter Berücksichtigung vorhandener Bahnsteiglängen erfolgen.
      3. betrachtet an bestehenden Bahnsteigen ausnahmsweise eine erforderliche Bahnsteiglänge von erster bis letzter Tür des Reisezuges zzgl. 5 m Sicherheitszuschlag für das ungenaue Halten und ggf. weiterer erforderlicher sicherheitsrelevanter Zuschläge als Mindestmaßstab für die Gewährleistung der Sicherheit.
      4. erwartet von den beteiligten Unternehmen und Institutionen, dass sie ihre Verfahren dahingehend verbessern und proaktiv aufeinander abstimmen. Ziel muss sein, zu verhindern, dass bei der Betrachtung der Sicherheit beim Ein- und Aussteigen an Bahnsteigen ein zusätzlicher Eintrag des „menschlichen und organisatorischen Faktors“ in die Planungs- und Betriebsprozesse erfolgt.

Das EBA hat angekündigt, diesen Sachverhalt weiterhin im Rahmen der Eisenbahnaufsicht zu überwachen.


red