Moderne U-Bahn-Züge für Berlin: Stadler und BVG stellen neue Fahrzeugtypen vor

Foto: Stadler

Berlin bekommt neue U-Bahnen: Ab 2022 sollen die ersten Neufahrzeuge der Baureihen J und JK von Hersteller Stadler an die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) übergeben werden.

Fast 600 Millionen Fahrgäste nutzten im Jahr 2019 die verkehrsgelben Züge in der deutschen Hauptstadt. Die U-Bahn der BVG ist dankt des historisch klug entwickelten Liniennetzes, den architektonisch spannenden Bahnhöfen aus verschiedenen Jahrzehnten, einem dichten Takt und Betriebszeiten beinahe rund um die Uhr zu einem Aushängeschild und Leistungsträger Berlins geworden. Mit der anstehenden Flottenerneuerung soll das Rückgrat der Berliner Mobilität in Zukunft weiter gestärkt werden.

Entwickelt und gefertigt wird die neue Fahrzeuggeneration von Zughersteller Stadler in Berlin-Pankow. In den zwei Baureihen JK für das Berliner Kleinprofilnetz (U1 bis U4) und J für das Großprofil (U5 bis U9) können die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) laut Herstellerangaben während der Laufzeit des Rahmenvertrages bis 2030 insgesamt voraussichtlich bis zu 1.500 Wagen abrufen. Die feste Mindestbestellmenge umfasst 606 Wagen. Zum Vergleich: Der aktuelle Fuhrpark verfügt, über alle Baureihen und -jahre hinweg, über rund 1.300 Wagen. Bis zu rund drei Milliarden Euro investiert die BVG in den kommenden Jahren in die Erneuerung der U-Bahn-Flotte. Am heutigen Montag haben Stadler und die BVG gemeinsam den weiteren Zeitplan vorgestellt.

„Der Großauftrag ist ein doppelter Gewinn für Berlin. Mit der neuen U-Bahn-Generation wird der Hauptstadtverkehr in unserer wachsenden Metropole leistungsstärker und klimafreundlicher“, sagte Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie Aufsichtsratsvorsitzende der BVG. „Mit diesen wichtigen Investitionen sorgen wir für moderne Mobilität und machen den ÖPNV für die Berlinerinnen und Berliner noch attraktiver. Zusätzlich sichern wir viele Arbeitsplätze in einem Unternehmen, das in Berlin tief verwurzelt ist.“

Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident und Group CEO ad interim von Stadler: „Wir sind sehr stolz, mit dem Gewinn eines der größten bisher in Europa vergebenen Lieferaufträge die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der BVG fortzusetzen und an unserem Standort in Berlin-Pankow die neue U-Bahn-Flotte für die deutsche Hauptstadt zu bauen.“

2022 kommen die ersten 24 Wagen

Die ersten insgesamt 24 Wagen, je zwölf für das Klein- und für das Großprofil, sollen im Herbst 2022 aus dem Berliner Stadler-Werk an die BVG überführt werden. Nach einem mehrmonatigen Testbetrieb, intensiven Prüfungen und der Zulassung ist die Serienlieferung dann ab Ende 2023  vorgesehen. Vereinbart ist eine Lieferung von vier Wagen alle fünf Werktage. Damit sollen die Züge deutlich schneller zur BVG kommen als zuletzt die Züge der Baureihe IK. Anschließend können laut Stadler bis ins Jahr 2030 weitere Serienfahrzeuge aus dem Rahmenvertrag abgerufen werden.

Die Großbeschaffung hat laut Stadler gleich mehrere Vorteile: So seien viele Bauteile der Groß- und Kleinprofilzüge identisch, was die Arbeit in den Werkstätten erleichtere. Außerdem zahle sich die Bestellung der beiden Baureihen aus einer Hand nicht nur wirtschaftlich, sondern auch betrieblich aus.

Bei beiden Baureihen gibt es sogenannte End- und Mittelwagen. Aus ihnen können im Großprofil durchgängige Zwei-, Vier- und Sechs-Wagen-Fahrzeuge gebildet werden. Im Kleinprofil sind durchgängige Zwei- oder Vier-Wagen-Fahrzeuge möglich, aus denen wiederum auch Sechs- oder Acht-Wagen-Einheiten gekuppelt werden können. Ein langer Acht-Wagen-Zug kann dann zum Beispiel – wie von den Baureihen HK und IK bekannt – aus zwei miteinander verbundenen, jeweils für sich durchgängigen Vier-WagenFahrzeugen bestehen.

Begleitend zur Lieferung der Züge übernimmt Stadler auch die Ersatzteilversorgung über eine Laufzeit von circa 32 Jahren hinweg. Darin enthalten ist die Lieferung aller benötigten Ersatzteile für die Einhaltung der Instandhaltungsfristen, Inspektionen und Hauptuntersuchungen sowie die Lieferung aller zum Beispiel für die Behebung von Vandalismus- und Unfallschäden benötigten Ersatzteile.


red