Eingleisige Bahnstrecken mit alter Stellwerkstechnik sollen zusätzliche Sicherungssysteme erhalten

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Weil es in der Vergangenheit auf einigen eingleisigen Strecken zu teilweise schweren Unglücken mit Frontalkollisionen kam, will die Deutsche Bahn nun ältere Stellwerke mit zusätzlicher Sicherungstechnik ausrüsten.

Ob Bad Aibling im Februar 2016 oder Aichach im Mai 2018: In den vergangenen Jahren kam es auf eingleisigen Strecken oder in Bahnhöfen mit älteren Stellwerken zu schweren Zugunglücken mit mehreren Toten und Schwerverletzten. Auch die Beinahekollision im Januar im oberbayerischen Griesen hätte vermutlich fast zu einer solchen Tragödie geführt.

Wie die Deutsche Bahn betont, würden bereits heute Technik und Vorschriften den sicheren Zugverkehr auf allen Strecken des DB Netzes gewährleisten. Und Patrick Steinebach, Leiter Technik- und Anlagenmanagement bei der DB Netz AG, fügt hinzu: „Sicherheit ist für uns oberstes Gebot.“ Aus diesem Grund werde die Leit- und Sicherungstechnik des Bahnbetriebs kontinuierlich weiterentwickelt.



Um die Fahrdienstleiter*innen in älteren mechanischen und elektromechanischen Stellwerken künftig besser zu unterstützen, will die Deutsche Bahn in den nächsten drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro in zusätzliche Sicherungstechnik investieren. Bis 2023 soll in 600 alten Stellwerken eine ergänzende elektronische Sicherungstechnik nachgerüstet werden. Diese soll helfen, menschliche Fehlhandlungen oder Versäumnisse zu verhindern. Die Nachrüstung ist für eingleisige Strecken, die bislang kein automatisches Zugmeldeverfahren haben, vorgesehen. Eine Bahnsprecherin erklärt dazu: „Die Technik soll sicherstellen, dass Züge nicht auf eine belegte Strecke einfahren können. Außerdem laufen Planungen, um die vorhandenen, meist mechanischen Stellwerke auf den Abschnitten durch elektronische Stellwerke zu ersetzen.“ Ziel des jetzigen Ausrüstungsprogramms ist es, das Sicherheitsniveau auf eingleisigen Strecken deutlich zu erhöhen.

Laut DB-Angaben wird schon heute jeder dritte Streckenkilometer im rund 34.000 Kilometer langen Bahnnetz von elektronischen Stellwerken gesteuert. Darüber hinaus hat die Deutsche Bahn bereits mit der Einführung der digitalen Stellwerke (DSTW) begonnen, mit denen in einigen Jahren die Signale und Weichen im gesamten Schienennetz gesteuert werden sollen. Vorgesehen seien dafür dann nur noch „wenige hundert DSTW“.


Der Bahnsprecherin zufolge setzt das Unternehmen aber auch auf die kontinuierliche Weiterentwicklung der Ausbildungsmethoden. So werden Fortbildungen und Qualifizierungen beispielsweise durch Simulatoren-Trainings sowie Einsatz von „Virtuell Reality“ praxisnah gestaltet.


red