Bahnindustrie, DB und EBA vereinbaren enge Zusammenarbeit für rasches Ausrollen digitaler Stellwerkstechnologien

Foto: DB AG

Die Bahnindustrie, die Deutsche Bahn und das Eisenbahn-Bundesamt wollen bei der Digitalisierung des Bahnbetriebs jetzt Tempo aufnehmen. Ziel ist es, die komplette Stellwerkstechnik schon bis zum Jahr 2035 auf digitale Systeme umzustellen.

Bereits bis Ende 2021 soll in zehn Regionen Deutschlands die herkömmliche Stellwerkstechnik auf digitale Technologien umgerüstet sein. Die Deutsche Bahn verspricht sich davon deutlich höhere Kapazitäten und mehr Qualität im Bahnbetrieb. Der Bund finanziert die Einführung der neuen Stellwerke mit 500 Millionen Euro.

Mit einem „Memorandum of Understanding“ haben der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB), das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) und die Deutsche Bahn am Mittwoch in Berlin vereinbart, die komplette Digitalisierung der Stellwerkstechnik bundesweit bereits bis zum Jahr 2035 zu erreichen. Die ursprüngliche Planung ging vom Jahr 2040 aus. Dazu wollen die Bahnindustrie, Bundesbehörde und DB auf der Grundlage des geltenden Rechts Abläufe für die Planung, Genehmigung und Finanzierung sowie die Umrüstung von Technik im bestehenden Bahnnetz beschleunigen. Die digitale Stellwerkstechnik ist neben der laufenden Ausrüstung des Netzes mit dem europaweit einheitlichen Zugbeeinflussungs­system ETCS der wichtigste Baustein im Zukunftsprogramm „Digitale Schiene Deutschland“.


„In die Einführung der einheitlichen europäischen Leit- und Sicherungstechnik ETCS investiert der Bund bereits seit 2015“, erklärt der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU). „Ganz im Sinne unseres Masterplans Schienenverkehr wollen wir jetzt mit 500 Mio. Euro aus dem Konjunkturpaket einen starken Impuls für die Bahnindustrie setzen und unsere Netzinfrastruktur effizienter gestalten.“ Da die neuen Systeme sowohl mit der bestehenden als auch der zukünftigen Stellwerkstechnik unterschiedlicher Anbieter kompatibel seien, werde die klimafreundliche Eisenbahn zum zukunftssichersten Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts, so Ferlemann. „Die Initiative bringt uns einen gewaltigen Schritt weiter bei der gemeinsam verabredeten Modernisierung der Eisenbahn – und damit Richtung mehr Verkehr auf der klimafreundlichen Schiene“, ergänzt DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. 

Andre Rodenbeck, Präsident des Verbands der Bahnindustrie: „Das Programm Digitale Schiene Deutschland ist ein einzigartiges Beispiel für die Digitalisierung eines hochkomplexen Bahnbetriebs und wird internationale Strahlkraft erzeugen.“ Die deutsche Industrie stehe bereit, diese einmalige Referenz jetzt gemeinsam umzusetzen. „Die vereinbarte Beschleunigung des Vorhabens mit dem Bau hochmoderner digitaler Stellwerkstechnik ist für dieses Leuchtturmprojekt eine unverzichtbare Grundlage. Jeder weitere innovative Schritt bis hin zur weitergehenden Automatisierung setzt diese Anlagen für eine Mobilitäts­revolution voraus.“ 

Auch das Eisenbahn-Bundesamt werde Bahn und Bahnindustrie im Rahmen der Möglichkeiten bei der Digitalisierung unterstützen, sagt EBA-Präsident Gerald Hörster. „So stellen wir bei diesem wichtigen Thema die Handlungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung unter Beweis und tragen wesentlich dazu bei, die Schiene zukunftsfähig zu machen.“


Die digitale Technik soll zunächst unter anderem auf Regionalstrecken in der Nordpfalz, dem Bayerischen Wald und im Allgäu eingesetzt werden, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von DB und Bahnindustrie.

Das digitale Stellwerk (DSTW) steht für die neueste Generation von Stellwerken. Es ist technologischer Nachfolger des elektronischen Stellwerks. Statt über weitläufige Kabelstränge und elektrische Schalttechnik laufen die Stellbefehle an Weichen, Signale oder Bahnübergänge über das DSTW digital mittels Ringleitungen aus Hochleistungs-Glasfaserkabeln.


red