Lokführergewerkschaft lehnt Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn ab

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Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) lehnt es ab, Tarifverhandlungen zur Personalkostensenkung bei der Deutschen Bahn aufzunehmen. Dazu hatte der bundes­eigene Konzern angesichts milliardenschwerer Verluste aufgerufen.

Die Deutsche Bahn nannte die Absage laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur unver­ständlich. Einem Schreiben der Gewerkschaft zufolge stelle man sich nicht gegen einen Sanierungs­kurs, allerdings fehle es an voller Transparenz über den künftigen Finanzbedarf. Zudem werde nicht begründet, warum ausgerechnet das direkte Personal einen Sparbeitrag zu leisten habe. Weil der stark verschuldete DB-Konzern mit finanziellen Problemen – auch infolge der Corona-Krise – zu kämpfen hat, seien bis 2024 Einsparungen beim Personal von 1,85 bis 2,3 Milliarden Euro vorge­sehen.

Da die derzeitigen Tarifverträge mit dem DB-Konzern noch bis Ende Februar 2021 gelten, sehe man keinen Anlass, Abstriche beim Zugpersonal zuzulassen, betont die Lokführergewerkschaft. Laut dem Bundesvorsitzenden der GDL, Claus Weselsky, werde man alles dafür tun, „damit unsere Kollegen die falsche Struktur des DB-Konzerns und das Missmanagement des Vorstands nicht ausbaden müssen.“


Anders als die GDL haben sich die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und die Deutsche Bahn kürzlich auf Eckpunkte für einen Tarifvertrag bis 2023 verständigt. Diese sehen unter anderem moderate Lohnerhöhungen und einen verbesserten Kündigungsschutz vor. Außer­dem sagte das Unternehmen weitere Einstellungen und Investitionen zu. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters besteht der Konzern auf einheitliche Verträge für die gesamte Beleg­schaft.

In einem am Donnerstag verbreiteten Offenen Brief an Politiker und Verbände fordert die Lokführer­gewerkschaft einen Umbau des Staatskonzerns. Bereits Ende Mai hatte sich die GDL dem “Bünd­nis für unsere Bahn” verweigert, das zwischen EVG, Politik und der Deutschen Bahn geschlossen wurde. Nach Ansicht der GDL seien Führung und Verwaltung aufgebläht, außerdem belasteten Milliardenbeteiligungen im Ausland und Aktivitäten abseits der Eisenbahn in Deutschland den Kon­zern. Weil geplante staatliche Milliardenhilfen vom Bund die Strukturprobleme des Konzerns nur zementieren und den Wettbewerb verzerren würden, spricht sich die Gewerkschaft für eine zweite Bahnreform aus. Die GDL will „erst dann über einen Sanierungstarifvertrag verhandeln, wenn die Ziele, die Maßnahmen und der Zeitplan dazu stimmen.“


red/dpa/reuters