Auto dominiert deutsche Verkehrsinfrastruktur – Allianz pro Schiene: „Verkehrspolitik offiziell in der Sackgasse“

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Laut den Daten des Statistischen Bundesamtes dominiert das Auto als Verkehrsmittel weiterhin die deutsche Verkehrsinfrastruktur. Aus diesem Grund sieht das Bündnis Allianz pro Schiene einen deutlichen Nachholbedarf für die Eisenbahn.

„Als amtlichen Beleg für eine völlig fehlgesteuerte deutsche Verkehrspolitik“ wertet Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, die am Freitag vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Daten zur Verkehrsinfrastruktur. „Jetzt ist es offiziell. Die deutsche Verkehrspolitik steuert in die völlig falsche Richtung. Sie hat sich über Jahrzehnte hinweg umwelt- und klimapolitisch in eine Sackgasse manövriert“, so Flege. „Wenn wir beim Klimaschutz vorankommen wollen, brauchen wir eine Neuausrichtung, eine Wende der Verkehrspolitik um 180 Grad. Künftig muss der Schwerpunkt auf klimafreundlichem statt auf umweltbelastendem Verkehr liegen.“

Das Auto dominiert als Verkehrsmittel die deutsche Verkehrsinfrastruktur, folgert das Statistische Bundesamt aus seiner Analyse der Infrastrukturdaten aus den vergangenen Jahrzehnten. Das Straßennetz für den überörtlichen Verkehr war 2019 laut den amtlichen Daten fast sechsmal so dicht wie das Schienenstreckennetz. Dies ist das Ergebnis einer dauerhaft einseitig auf die Straße ausgerichteten Verkehrspolitik. Die Autobahnlänge stieg zwischen 1995 und 2019 um 18 Prozent. Das Bundesschienennetz schrumpfte im selben Zeitraum um gut 20 Prozent. „Diese Fehlsteuer­ungen lassen sich nicht über Nacht korrigieren“, betonte Flege. „Wir brauchen jetzt eine Verkehrs­politik, die dauerhaft und nachhaltig den Schwerpunkt auf den Ausbau der klimafreund­lichen Schiene setzt.“


Ein weiterer Beleg für die Fehlausrichtung und Fehlentwicklungen im deutschen Verkehrssektor sei auch die Pkw-Dichte. Sie ist laut Statistischem Bundesamt zwischen 2009 und 2019 noch einmal um zwölf Prozent auf 569 Pkw pro 1.000 Einwohner gestiegen. Zum Vergleich: Die Zahl der Bahn­höfe ging in demselben Zeitraum um gut ein Prozent zurück. „Immer mehr Autos, dafür weniger Bahnhöfe und weitere Wege für die Menschen zur Schiene – mit dieser Bilanz kann niemand zufrie­den sein“, sagte Flege.

Die einseitige Priorität für die Straße schade dem Verkehrsbündnis zufolge nicht nur der Umwelt – sie sei auch ungerecht. Darauf wies am Freitag auch das Umweltbundesamt in einer veröffent­lichten Pressemitteilung hin. Demnach leisten sich vor allem Haushalte mit hohem Einkommen mehrere Autos. Unter den Haushalten mit dem höchsten ökonomischen Status besitzt jeder Zehnte drei oder mehr Autos. Über die Hälfte der Haushalte am unteren Ende der Wohlstandsskala verfügt über gar kein Auto. Doch die Preise für den Öffentlichen Personennahverkehr sind laut Umwelt­bundesamt zwischen 2000 und 2018 um 79 Prozent gestiegen. Bahntickets wurden um 57 Prozent teurer. Die Kosten für den Kauf und Unterhalt eines Pkw nahmen dagegen um nur 36 Prozent zu. „Gerade die Menschen mit geringem Einkommen sind auf ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz angewiesen.“ Wer den öffentlichen Verkehr fördert, fördere auch die Gerechtigkeit, betonte Flege.


red