Nightjet-Netz Schweiz 2024: SBB und ÖBB bauen europäisches Nachtzug-Angebot weiter aus

Foto: ÖBB / Harald Eisenberger

Die SBB und die ÖBB verstärken ihre langjährige Zusammenarbeit im internationalen Perso­nenverkehr. Die beiden Bahnen wollen das bereits bestehende Angebot im Nachtzugverkehr von sechs auf zehn Linien ausbauen.

Geplant sind neue Nachtzüge ab der Schweiz nach Amsterdam, Rom und Barcelona. Die SBB und die ÖBB ­haben am Dienstag ihre Ausbaupläne vorgestellt und eine entsprechende Absichtserklä­rung unterzeichnet. Der geplante Ausbau kann allerdings nur mit finanzieller Unterstützung aus dem Schweizer Klimafonds sichergestellt werden.

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Die Nachfrage im internationalen Nachtzugverkehr habe im Jahr 2019 und im laufenden Jahr bis zum Ausbruch der Corona-Krise deutlich zugenommen, heißt es in einer Mitteilung der beiden Unternehmen. Die Anzahl der Reisenden in den Nachtzügen ab der Schweiz stieg im Vergleich zum Vorjahr um über 25 Prozent. Die Partner­bahnen sehen dies als nachhaltigen Trend im Kontext des stark gestiegenen Kundenbedürfnisses, umweltfreundlich und ressourcenschonend zu reisen. Das gemeinsame Ziel von ÖBB und SBB ist, mehr Reisen auf die Bahn zu verlagern und damit einen Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen im Reisesektor zu leisten.

Mit 19 Nightjet Linien und acht weiteren Verbindungen mit Partnern betreibt die ÖBB bereits heute das grösste Nachtzugnetz Europas. Davon umfasst das Netz in Kooperation mit der SBB ab der Schweiz sechs Linien und eine weitere Verbindung.


Auf diesen Erfolg aufbauend wollen die SBB und ÖBB das Angebot an Nachtzügen in Europa gemeinsam erweitern. In den vergangenen Monaten haben die Unternehmen nach eigenen Angaben verschiedene Ausbauoptionen intensiv geprüft und bewertet. Dank der Kooperation können die Bahnen bei der Produktion und Vermarktung des Angebots Synergien nutzen und Kosten sparen. Mit der am 11. September unterzeichneten Absichtserklärung (Letter of Intent) haben die beiden Bahnen die Strategie der Ausbaupläne von „Nightjet-Netz Schweiz 2024“ vorgestellt. Die Pläne beinhalten einen Ausbau des Nightjet-Netzes ab der Schweiz auf insgesamt zehn Linien und 25 Destinationen.

Die Schwerpunkte der Ausbaupläne

      • Ab Fahrplan 2022: Neue Nightjet-Verbindung nach Amsterdam: Als ersten Ausbau­schritt wollen die beiden Bahnen ab Dezember 2021 eine neue tägliche Nightjet-Verbin­dung Zürich – Basel – Frankfurt – Köln – Amsterdam aufnehmen. Das nur sehr begrenzt verfügbare für den Nachtverkehr geeignete Rollmaterial setzt einem kurz­fristigen Ange­botsausbau jedoch enge Grenzen. Die SBB beabsichtigt deshalb, beim deutschen An­bieter RDC Asset GmbH entsprechendes Rollmaterial zu mieten.
      • Kapazitätsausbau nach Berlin, Hamburg und Prag sowie neue Verbindung nach Leipzig und Dresden: Die heute angebotenen Verbindungen ab Zürich über Basel nach Berlin und Hamburg erfreuen sich einer steigenden Nachfrage. Deshalb soll die Kapazität dieser Verbindungen deutlich ausgebaut werden. SBB und ÖBB wollen diese beiden Verbindungen wenn möglich ab Fahrplan 2023 mit zwei separaten Zügen auf der ganzen Strecke bedienen. Dadurch kann die Kapazität deutlich erhöht werden. Die Ver­bindung nach Prag soll als Zugteil des Berliner Nightjet mit Schlaf- und Liegewagen neu auch über Deutschland geführt werden. Durch die geänderte Linienführung entsteht neu eine direkte Verbindung nach Leipzig und Dresden.
      • Neue Verbindungen nach Rom und Barcelona geplant: Eine neue Linie soll von Zürich über Bern – Brig – Domodossola nach Rom geführt werden. Geplant ist zudem eine tägliche Verbindung von Zürich über Bern – Lausanne – Genf nach Barcelona. Damit wäre auch eine direkte Anbindung der Westschweiz an das Nachtzugnetz sicher­gestellt. Die Einführung dieser beiden neuen Linien ist noch nicht gesichert, Abklä­rungen mit weiteren Partnerbahnen sind noch ausstehend.

Um den mittel- und langfristigen Ausbau des Nachtzugverkehrs sicherstellen zu können, investiert die ÖBB auch in neues Rollmaterial. Die neuen Nachtzug Garnituren sollen schritt­weise zum Einsatz kommen.


Mit dem geplanten Ausbau wollen sich SBB, ÖBB und ihre Partnerbahnen auch für bessere ver­kehrs­politische Rahmenbedingungen für den Betrieb von Nachtzügen in Europa einsetzen. In der Schweiz berät das Parlament in der Herbstsession die Totalrevision des CO2-Geset­zes. Dieses sieht eine Förderung des grenzüberschreitenden Zugverkehrs aus dem Klima­fonds vor. Das Parlament hat letzte Woche der Förderung des internationalen Personen­verkehrs inklusive Nacht­züge zugestimmt. Vorbehaltlich der Schlussabstimmung und eines allfälligen Referendums würde die finanzielle Unterstützung aus dem Klimafonds der SBB ermöglichen, die hohen und defizitären Betriebskosten der Nachtzugsverbindungen auszugleichen.

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Die ÖBB sind der größte Anbieter im Nachtverkehr in Europa und haben im Rahmen der bestehenden Zusam­menarbeit wesentlich zum Erhalt von Nachtzügen ab der Schweiz beigetragen. „Wir sind vom Erfolg des Nightjets überzeugt. Mit der SBB als starke Partnerin können wir den Ausbau des Nightjet Netzes weiter vorantreiben. Wir investieren in neue Züge, 13 Nightjet-Garnituren der neusten Generation werden ab Ende 2022 im Einsatz sein. Mit den zusätzlichen Verbindungen und modernen Wagen wird das Nachtzugreisen noch attraktiver“, so Andreas Matthä, CEO der ÖBB.

SBB-CEO Vincent Ducrot ist überzeugt, dass die Nachfrage nach Bahnreisen für schnelle Tagesverbindungen und für Nachtzüge weiter zunehmen wird. „Diese Entwicklung ist nach­haltig und die Nachfrage nach umweltfreundlicher und ressourcenschonender Mobilität wird weiter steigen.“

Für die SBB und die ÖBB ist der Nachtverkehr ein wichtiger Bestandteil des gesamten Ange­bots mit einem grossen Synergiepotenzial zu den Tagesverbindungen. Wie beide Unterneh­men bekräftigen, unterstützt ein attraktives Angebot auf der Schiene das Ziel, den Flugver­kehr im Kurzstreckenbereich auf die Bahn zu verlagern.


red