Wettbewerbsbahnen demonstrieren für mehr Fairness im Schienengüterverkehr – Sonderfahrt durch Berlin

Foto: NEE

Die privaten Güterbahnen wollen am Montag unter dem Moto „Hör das Signal, Berlin“ für einen fairen Wettbewerb demonstrieren, damit die Güterbahnen insgesamt wachsen können.

Wie das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) betont, wollen die Wettbewerber nicht schlechter gestellt werden als die bundeseigene Güterbahn des DB-Konzerns. Zudem wollen sie erreichen, dass die Regierung ihren langjährigen und vielfältigen Ankündigungen zur Stärkung der Schiene Taten folgen lässt, um den Verkehr von der Straße zu verlagern. 

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Laut dem Netzwerk versuchen die privaten Güterbahnen bereits seit dem Frühjahr vergeblich, von der Bundes­regierung Unterstützung zu erhalten. „Die schon im Mai von der Regierung vorgeschlagene Eigenkapitalspritze an die Deutsche Bahn AG würde aber ausschließlich deren Güterverkehrstöchtern helfen“, sagt NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger. Mit einer Sonderfahrt durch Berlin wollen die Wettbewerber nun die Bundesregierung sichtbar und auch gut hörbar an ihre europarechtlichen Pflichten erinnern, den fairen Wettbewerb auf dem Schienennetz zu erhalten. Westenberger: „Transport­preise auf Dumpingniveau, die nur durch Steuermittel an die DB möglich werden, gefährden die Existenz der Wettbewerber und damit auch von Arbeitsplätzen.“ Gut die Hälfte des Schienen­güterverkehrs in Deutschland wird bereits durch die Wettbewerber erbracht.

Erste Demonstration auf Schienen

Der Verband, der die nicht zur Deutschen Bahn gehörenden Güterbahnen vertritt, hat seine Mitglieder in und durch die Bundeshauptstadt eingeladen. Westenberger: „Mit unserer Sonderfahrt tragen wir drei Botschaften ins Regierungsviertel. Erstens: Es gibt viele Güterbahnen und wir sind leistungsbereit. Zweitens: Bei der geplanten Hilfe in der Corona-Krise dürfen die Wettbewerber vom Bund nicht schlechter behandelt werden als die Deutsche Bahn. Drittens: die Entlastung der Straßen vom Güterverkehr mit Hilfe der Schiene braucht mehr politischen Druck.“


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Anders als bei vielen anderen Protest-Zügen, die sich durch die Bundeshauptstadt bewegen, soll die Fahrt keine Verkehrsbehinderungen auf der Straße und auch nicht für die Fahrgäste im Schienenpersonenverkehr verursachen. Eines der beteiligten Unternehmen hat laut dem Netzwerk nach einer umfangreichen Untersuchung durch die Exper­ten des Schieneninfrastrukturbetreibers DB Netz eine Fahrmöglichkeit (Trasse) gebucht, die „konfliktfrei“ ist. Westenberger: „Unsere Fahrt wird also keine Auswir­kungen auf den planmäßigen Schienenpersonen­verkehr haben, wenn es am Montagvormittag keine größeren Störungen im Berliner Netz gibt.“ Mit dem knapp 400 Meter langen Zug werden bei der geplanten Fahrt über die Stadtbahn und große Teile des Berliner Innenrings die Möglichkeiten der Schie­nen­infrastruktur ausgeschöpft. Eine Lok übernimmt dabei die Traktion, die übrigen werden geschleppt. „Insgesamt werden am Montag rund 100.000 Kilowatt potenzielle Leistung als Symbol für einen klimafreundlichen Güterverkehr durch die Stadt rollen“, so Westenberger.

Foto: NEE

Von Westen kommend soll der Zug am späten Vormittag über Spandau und Charlottenburg zunächst die Stadtbahn von West nach Ost befahren und dabei einen viertelstündigen Stopp im Berliner Hauptbahnhof einlegen, der von kurzen Ansprachen begleitet wird. Westenberger: „Die Ankunftszeit um fünf vor zwölf passt zur wirtschaftlichen Lage mancher Güterbahnen.“ Vom Lockdown hätten sich viele Unternehmen bisher nicht erholen können, obwohl der Schienengüterverkehr hervorragend zur Versorgungssicherheit beigetragen habe.


red