Tarifkonflikt zwischen Bahn und Lokführergewerkschaft – Schlichtungsverfahren eingeleitet

Foto: EVN

Wie die Deutsche Bahn am Mittwoch mitteilte, setzt das Unternehmen auf ein Schlichtungs­verfahren, nachdem die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) jüngst Tarifver­handlungen abgelehnt hat.

Zur Bewältigung der Milliardenschäden aus der Corona-Krise hat die Deutsche Bahn heute ein Schlichtungsverfahren mit der GDL eingeleitet. Zuvor hatte es die Lokführergewerkschaft abgelehnt, mit der DB in Verhandlungen über tarifvertragliche Regelungen zu treten. Vor dem Hintergrund dieser ablehnenden Haltung kann die DB laut geltendem Tarifvertrag ein Schlichtungsverfahren einleiten, heißt es aus der Berliner Konzernzentrale. Das Unternehmen bedauere, dass ein solcher Schritt notwendig sei. „Im Sinne der wirtschaftlichen Stabilität des Unternehmens und der sozialen Sicherheit für alle Mitarbeitenden gebe es jedoch keine Alternative“, so eine Bahnsprecherin.

Advertisements

„Angesichts der größten Krise in der Unternehmens­geschichte ist es notwendig, dass wir auch mit der GDL ein Tarifpaket schließen und eine ökonomisch verantwortungsvolle, nachhaltige und sozial ausgewogene Lösung finden“, betont DB-Personalvorstand Martin Seiler. „Damit schaffen wir Planungssicherheit, erhalten Arbeitsplätze und sichern unsere Unternehmensstrategie der Starken Schiene.“

Im September hatte sich die DB bereits mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf ein Tarifpaket geeinigt. Dieses sieht moderate Lohnsteigerungen von 1,5 Prozent, einen verbesserten Kündigungsschutz sowie die Verlängerung von Regelungen für Kinderbetreuung und Pflege in Corona-Zeiten vor. Angesichts der beträchtlichen ökonomischen Schäden sei eine zeitnahe Einigung mit der Gewerkschaft GDL nach Ansicht der DB dringend geboten.



Die GDL hatte die Aufnahme von Tarifverhandlungen im vergangenen Monat mit der Begründung abgelehnt, dass die derzeitigen Tarifverträge mit dem DB-Konzern noch bis Ende Februar 2021 gelten und man keinen Anlass sehe, Abstriche beim Zugpersonal zuzulassen. Man werde alles dafür tun, „damit unsere Kollegen die falsche Struktur des DB-Konzerns und das Missmanagement des Vorstands nicht ausbaden müssen“, sagte der Bundesvorsitzende der GDL, Claus Weselsky, vor einigen Wochen. Nach Ansicht der Lokführergewerkschaft sollten sich Politiker und Verbände für einen Umbau des Staatskonzerns einsetzen. Die GDL kritisiert unter anderem die aufgeblähte Führung und Verwaltung des Unternehmens, außerdem belasteten Milliardenbeteiligungen im Ausland und Aktivitäten abseits der Eisenbahn in Deutschland den Kon­zern.


red