Bahnvorstand warnt vor Frauenquote in Führungspositionen – Eisenbahnergewerkschaft reagiert schockiert

Foto: DB AG / Hans-Christian Plambeck

Der Vorstand des Staatskonzerns Deutsche Bahn sperrt sich offenbar gegen Pläne der Bundesregierung zur Frauenförderung. Das Vorhaben sei „mit erheblichen negativen Auswirkungen verbunden“, warnten drei Vorstandsmitglieder des DB-Konzerns Mitte Juni laut einem SPIEGEL-Bericht in einem Brief an die Politik.

In der Düsseldorfer Rheinischen Post äußerte sich Cosima Ingenschay, Vorstandsmitglied und Bundesgeschäftsführerin der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), entsetzt: „Ich bin schockiert über die Äußerungen der drei Männer des Vorstandes der Deutschen Bahn. Die Herren Lutz, Pofalla und Seiler unterliegen einem absoluten Irrglauben, wenn sie der Meinung sind, Frauen in Führungspositionen schaden der Wettbewerbsfähigkeit.“ Es sei längst erwiesen, „dass Vielfalt in Vorständen, Führungsebenen und der Belegschaft wirtschaftlich stärkt“, so Ingenschay weiter.



Advertisements

Die Bundesregierung will das Gleichstellungsgesetz auf große Firmen im Staatsbesitz ausdehnen; sie müssten dann eine Frauenquote von 50 Prozent in Führungs­positionen erfüllen und die Zahl ihrer Gleichstellungs­beauftragten aufstocken. In einem Brief an Finanzminister Olaf Scholz und Familienministerin Franziska Giffey (beide SPD) sowie an Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sollen Bahn-Chef Richard Lutz, Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Personalchef Martin Seiler Mitte Juni vor negativen Auswirkungen, die mit dem Vorhaben verbunden seien, gewarnt haben.

Dem SPIEGEL-Bericht zufolge befürchten die Manager, dass durch die vorgeschriebene Förderung von Frauen „eine Verschärfung des ohnehin gravierenden Fachkräftemangels in technisch-operativen Berufen bei der DB“ entstehen könnte. Das Ziel, in den nächsten Jahren rund 100.000 neue Mitarbeiter einzustellen, werde „unter diesen Rahmenbedingungen erheblich erschwert“.

Laut der Rheinischen Post erklärt die Deutsche Bahn, dass die Berichterstattung unzutreffend und irreführend sei. Den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern, sei ein zentrales Anliegen des Konzernvorstands.

Ingenschay sagte weiter, die Deutsche Bahn sollte gerade als Staatsunternehmen mit gutem Beispiel vorangehen und mehr Frauen in die vordersten Reihen stellen. „Leider erleben wir gerade, dass sich erst etwas bewegt, wenn Quote gesetzlich gefordert wird“, betonte sie.


red/RP/SPIEGEL