Verkehrsverbund Rhein-Ruhr prüft mögliche Nachbesserung bei Verträgen mit Abellio in NRW

Foto: imago images / Gottfried Czepluch | aktualisiert am 13. Oktober 2020, 21:18 Uhr

Das Bahnunternehmen Abellio steckt in einer immer größer werdenden finanziellen Krise. Und die Andeutungen des niederländischen Mutterkonzerns NS (Nederlandse Spoorwegen), sich möglicherweise aus dem deutschen Eisenbahnmarkt zurückzuziehen, sorgen für Unruhe.

Wie der Vorstandssprecher des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR), Ronald Lünser, gegenüber der Neuen Ruhr Zeitung (NRZ) erklärte, nehme man die Aussagen von den niederländischen Eisenbahnen „sehr ernst“.

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Der VRR, der den Nahverkehr im Ruhrgebiet, im Niederrhein, in Teilen des Bergischen Landes sowie in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf organisiert, sei mit Abellio bereits seit Monaten im Gespräch. Einige Kostenentwicklungen, die Abellio derzeit massiv belasten, seien laut Lünser für das Unternehmen  „nicht vorhersehbar“ gewesen. Gemeint sind hier eine „aufwendigere Dienstplanung“ sowie „die Vielzahl der Baustellen“, die „teure Ersatzverkehre“ erfordern.

Laut dem NRZ-Bericht will man bis Ende Oktober versuchen, mit Abellio eine Verhandlungs­lösung zu erzielen. Ziel sei eine juristisch saubere und für beide Seiten tragfähige Lösung, heißt es. „Wir hoffen, dass wir bis Ende des Monats die rechtlichen Bewertungen abschließen können. Und wenn es eine rechtliche Legitimation zur Nachbesserung der Verträge gibt, müssen wir ebenfalls klären, wie und mit welchem Geld wir das tun wollen“, so Lünser gegenüber der Zeitung.



Wie die Lösung aussehen könnte, ist derzeit noch völlig offen. Denn sollte der Verkehrsverbund der NS-Tochter Abellio tatsächlich mehr Geld zahlen als beim Zuschlag der Vergabe vereinbart, würde das mit großer Sicherheit die damals unterlegenen Mitbewerber auf den Plan rufen. Auch eine Kündigung der Verträge ist laut dem Medienbericht nur in beiderseitigem Einvernehmen möglich, da es keine Ausstiegsklausel für Abellio gebe. Die einzige Möglichkeit für Abellio aus den bestehenden Verträgen auszusteigen, wäre demnach eine Insolvenz – die es laut dem VRR aber zu vermeiden gilt.

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„Aus der Wettbewerbsperspektive muss uns ja daran gelegen sein, dass es auch künftig mehrere Anbieter für unsere Vergabeverfahren gibt“, so Lünser. Denn sollten die derzeitigen Verträge neu ausgeschrieben werden, müsste der VRR wohl mit jährlichen Mehrkosten von mindestens 1 bis 1,30 Euro pro Zugkilometer rechnen. Das wären dann voraussichtlich Mehrkosten von jährlich mindestens 50 Millionen Euro.

Ein Großteil der Verkehrsverträge, die Abellio und der VRR abgeschlossen haben, läuft erst seit Dezember 2019 – mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Das betrifft die S-Bahnen (S2, S3, S9 sowie die RRX-Linien RE1 (Aachen–Köln–Essen–Hamm) und 11 (Düsseldorf–Essen–Dortmund–Kassel) sowie den RE 49 (Wesel–Essen–Wuppertal), RB 32 (Dortmund–Oberhausen–Duisburg) und RB 40 (Essen–Bochum–Hagen).

Bevor Lünser im Jahr 2019 Chef des VRR wurde, war er als Vorsitzender der Geschäftsführung von Abellio Rail NRW tätig.


red/NRZ