Sicherheitsbericht des Eisenbahn-Bundesamtes – Zahl signifikanter Unfälle ging 2019 erneut leicht zurück

Foto: Feuerwehr (Archiv) | aktualisiert am 21. Oktober 2020, 12:28 Uhr

Im vergangenen Jahr ereigneten sich im deutschen Eisenbahnsystem insgesamt 298 „signifikante“ Unfälle. Zu diesem Ergebnis kommt der kürzlich veröffentlichte Sicherheits­bericht 2019.

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hat kürzlich den Sicherheitsbericht 2019 veröffentlicht. Die Aufsichtsbehörde kommt darin zu dem Ergebnis, dass das hohe Sicherheitsniveau im deutschen Eisenbahnsystem auch im vergangenen Jahr weiterhin gegeben war. Im Bericht heißt es: „Verschiedene positive Trends setzten sich fort, so kam es auch in diesem Jahr zu keinen Unfällen mit getöteten Fahrgästen im deutschen Eisenbahnsystem. Ein weiteres Beispiel für positive Entwicklungen ist der erfreuliche Rückgang von Unfallzahlen an Bahnübergängen.“ Wesentliche strukturelle Defizite habe die Aufsicht des Eisenbahn-Bundesamtes nicht ergeben, teilt die Behörde mit. 

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Laut dem Sicherheitsbericht des EBA wurden 2019 insgesamt 298 Eisenbahnunfälle im deutschen Eisenbahnnetz erfasst, was einen leichten Rückgang (Vorjahr: 302 Unfälle) darstellt. Relativ zu Zugkilometern ergibt sich ebenfalls ein leichter Rückgang von 0,278 auf 0,274 Unfälle pro Millionen Zugkilometer. Allerdings erfasst das EBA in seinem jährlichen Bericht nur „signifikante“ Unfälle – mit mindestens einem bewegten Schienenfahrzeug, bei dem mindestens eine Person getötet oder schwer verletzt wird oder erheblicher Sach­schaden entsteht. Dadurch weichen die Daten von den tatsächlichen Unfallzahlen der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) ab.

Bei detaillierter Betrachtung zeigt sich, dass sich der Rückgang der Unfallzahlen auf die Unfallarten Kollisionen (- 7), Unfälle auf Bahnübergängen (- 11) sowie Fahrzeugbrände (- 6) zurückführen lässt. Die Anzahl der Unfälle mit Personenschäden (+ 16) sowie sonstige Unfälle (+ 7) stiegen hingegen an. Die insgesamt 33 Kollisionen teilen sich auf in drei Kollisionen von Zügen mit einem Schienen­fahrzeug und 30 Kollisionen von Zügen mit einem Hindernis im Lichtraumprofil.

Nach Angaben des EBA sei vorsichtig positiv zu vermerken, dass es im Jahr 2019 erstmals wieder eine rückläufige Zahl von unzulässigen Vorbeifahrten an Haltesignalen gab. Die Gesamtzahl nahm laut dem Sicherheitsbericht um rund 50 Ereignisse ab, was ausgehend von den Zahlen des Vorjahres eine Reduzierung um 8 Prozent darstellt, und dies bei gleichzeitig im Jahr 2019 leicht gestiegener Verkehrsleistung der Eisenbahnen in Deutschland. „Die in den letzten Jahren unternommenen Aktivitäten des EBA zur Sensibilisierung der Unternehmen und Triebfahrzeug­führer lassen demnach eine erste Wirksamkeit erkennen“, heißt es.

Unfallopfer

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Die Zahl der bei Eisenbahnunfällen schwer verletzten Personen entsprach im Jahr 2019 mit 114 Personen exakt dem Wert des Vorjahres und lag damit erneut deutlich unter dem Mittelwert seit Beginn der Erfassung der Indikatoren im Jahr 2007. Die Zahl der schwerverletzten Personen pro Millionen gefahrene Zugkilometer blieb daher mit 0,105 ebenfalls konstant. Die Zahl der schwer verletzten Fahrgäste ist im Jahresvergleich von 13 auf 15 gestiegen. Der Anteil der Benutzer von Bahnübergängen und unbefugten bzw. sonstigen Personen an der Gesamtzahl aller schwer verletzten Personen ist weiter zurückgegangen. Die absolute Zahl der schwer verletzten Benutzer von Bahnübergängen ist weiter zurückgegangen. Die Anzahl der bei Eisenbahnunfällen schwer verletzten Personen in den Gruppen Bedienstete, unbefugte Personen und sonstige Personen nahm jeweils um wenige Fälle zu.

In Bezug auf die bei Eisenbahnunfällen getöteten Personen war nach dem deutlichen Rückgang im Vorjahr nun ein Anstieg von 128 im Jahr 2018 auf 136 im Berichtsjahr 2019 zu verzeichnen. Auch relativ bedeutet dies einen Anstieg von 0,118 auf 0,125 getötete Personen pro Millionen Zugkilo­meter. Ähnlich wie in den Vorjahren sind laut dem EBA über 90 Prozent aller Todesfälle den Katego­rien „Benutzer von Bahnübergängen“ und „unbefugte Personen auf Eisenbahnanlagen“ zuzuordnen. Mehr als zwei Drittel der insgesamt getöteten Personen sind Unbefugte auf Bahn­anlagen. Bei den „Benutzern von Bahnübergängen“ sank die Zahl der Getöteten weiter, und zwar auf 34 Personen. Alle übrigen Todesfälle entfielen auf die Unfallart „Unfälle mit Personenschaden“ (102). Im Jahr 2019 wurde erfreulicherweise kein Fahrgast bei Eisenbahnunfällen getötet.

Unfallkosten

Für das Jahr 2019 ergeben sich Unfallkosten in Höhe von 456 Millionen Euro. Dieser Gesamtbetrag setzt sich wie folgt zusammen: 415 Mllionen Euro sogenannte gesellschaftliche Verluste durch Unfallopfer, 31 Millionen Euro Sach- und Umweltschäden und 10 Millionen Euro Kosten durch unfallbedingte Verspätungen.

🔗 Zum Sicherheitsbericht 2019


red