Güterzugentgleisung in Niederlahnstein – Noch immer 90.000 Liter Diesel im Erdreich

Foto: Rhein-Lahn-Kreis (Archiv)

Bei der Güterzugentgleisung im Bahnhof Niederlahnstein in Rheinland-Pfalz vor gut zwei Monaten ist offenbar weitaus mehr Dieselkraftstoff ins Erdreich gelangt, als zunächst von der Deutschen Bahn angegeben.

Laut einem neuen Gutachten der ECOS Umwelt Nord, Gesellschaft für technischen und wissenschaftlichen Umweltschutz mbH, das die Deutsche Bahn in Auftrag gegeben hat, sind bei dem Unfall rund 180.000 Liter Diesel ausgelaufen. Die Deutsche Bahn hatte zunächst von 100.000 Litern gesprochen. Davon sollte eigentlich ein Großteil bereits entfernt worden sein. Rund 40 bis 50 Prozent des Kraftstoffes befinde sich laut derzeitigen Zahlen aber noch im Boden.

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Aufgrund dieser dramatischen Wendung zweifelt Lahnsteins Oberbürgermeister Peter Labonte die Sanierungsvorschläge der DB Netz AG an: „Auch die von der Kreisverwaltung des Rhein-Lahn-Kreises erteilte Sanierungsgenehmigung, die ursprünglich auf einer ganz anderen Ausgangsbasis und unter ganz anderen Rahmenbedingungen erteilt wurde, muss jetzt von den Fachbehörden kritisch hinterfragt werden“, so Labonte.

Die Deutsche Bahn hatte kürzlich erklärt, dass die Folgesanierungsarbeiten weiter gehen. Dem Gutachten zufolge müssen noch bis zu 90.000 Liter ausgelaufenen Diesels aus dem Boden entfernt werden.


Bei der Entgleisung des Güterzuges am 30. August waren mehrere mit Diesel beladene Kesselwagen umgestürzt und ausgelaufen. Als Sofortmaßnahme wurden anschließend wegen der Verunreinigung etwa 19.000 Tonnen Erde und Gestein auf 2.400 Quadratmetern ausgetauscht. Um die Standfestigkeit der Oberleitungsmasten nicht zu gefährden, sei der ausgelaufene Kraftstoff aber nicht komplett entfernt worden, berichtet der SWR mit Verweis auf Angaben der Deutschen Bahn. Um auch die restliche Menge aus dem Boden zu holen, werde nun versucht, den Kraftstoff mit der „Injektion von Diesel abbauenden Bakterien“ zu neutralisieren. Um das Grundwasser zu schonen, werden auch Brunnen eingesetzt. Die Grundwasserqualität werde permanent kontrolliert, heißt es von Seiten der Deutschen Bahn. „Die bisherigen Kontrollmessungen haben keine Belastung des Grundwassers mit Diesel festgestellt. Sollte Diesel zum Grundwasser durchdringen, wird das Wasser abgepumpt und mit Aktivkohle gereinigt“, teilte Bahnsprecher Michael Greschniok kürzlich mit. Die Boden- und Grundwassersanierungsarbeiten werden wohl noch bis zu sieben Jahre lang andauern.

Wie es zu der Entgleisung kommen konnte ist weiterhin Gegenstand der laufenden Unfallermitt­lungen durch die Bundespolizei und die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU).


red