Österreich: Lokführer nach schwerem Zugunglück verurteilt

Foto: BFV Leoben (Archiv)

Der Lokführer eines ÖBB-Cityjet, der im Februar 2018 einen schweren Unfall bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Niklasdorf in Österreich verursacht hat, ist zu einer bedingten Haft und einer Geldstrafe verurteilt worden.

Im Gerichtsprozess um das Zugunglück vom 12. Februar 2018 ist heute das Urteil gefallen. Der 48-jährige ÖBB-Lokführer ist dabei zu einer bedingten Haft von acht Monaten und einer unbedingten Geldstrafe von 4.320 Euro verurteilt worden.

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Der Beschuldigte hatte am Unfalltag seinen Regionalzug ohne Zustimmung des Fahrdienstleiters in Bewegung gesetzt, ein Haltsignal überfahren und kollidierte anschließend mit einem Eurocity der Deutschen Bahn. Bei dem Unglück wurde eine Frau getötet, darüber hinaus gab es einen Schwer­verletzten und mehr als 20 weitere Leichtverletzte. Durch die Kollision der beiden Züge entstand zudem ein hoher Sachschaden.

Lokalen Medienberichten zufolge sagte der Lokführer vor Gericht aus, dass er sich an Einzelheiten zum Unfallhergang nicht mehr erinnern könne. Laut der Datenspeicherauswertung habe der Cityjet-Lokführer nur beschleunigt und nicht gebremst. Erst die Zwangsnotbremsung am Haltsignal, ausgelöst durch das Zugsicherungssystem, habe eine Geschwindigkeitsreduktion eingeleitet, die Kollision aber nicht mehr verhindern können.



Neben einem Tablet mit den Fahrplandaten, hatte der Lokführer auch zwei eingeschaltete Handys bei sich, die sich nach eigener Aussage in seiner Jackentasche befunden hätten. Die Frage der Richterin, ob er etwas damit gemacht habe, verneinte er. Laut der Richterin sei eines der Handys aktiv gelaufen – mit „irgendeinem olympischen Spiel“. Er bestritt mit dem Gerät gespielt zu haben.

Bei der Begründung des Urteils machte die Richterin deutlich, dass der Mann unbescholten sei und sich reumütig gezeigt habe. Aber eine unbedingte Strafe müsse es geben, deshalb verurteilte sie ihn zu einer Geldstrafe, zu zahlen in 240 Tagesätzen zu je 18 Euro. Der Lokführer nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


red/ORF