EVG fordert Änderungen in der Vergabepolitik von Nahverkehrsleistungen

(EVN Redaktionsdienst) – Foto: Abellio |

Laut der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zeige die finanzielle Krise rund um das private Bahnunternehmen Abellio Mitteldeutschland deutlich, dass sich sowohl das Unternehmen als auch die Politik verkalkuliert haben.

Die Gewerkschaft wirft der verantwortlichen Politik vor, dass die derzeitige Situation eigenverschuldet ist: „Abellio hat ein Dumping-Angebot vorgelegt und die Politik hat es stillschweigend akzeptiert, offenbar ohne es genau zu prüfen. Mit fatalen Folgen: 950 Beschäftigte sind verunsichert, ebenso Tausende Kund*innen.“

Wie die EVG am Montag mitteilte, fordert sie die Länder Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt auf, dafür zu sorgen, dass die Verkehre aufrechterhalten bleiben. Sei es von Abellio selbst oder von einem anderen Betreiber. „Sollte es zu einem Betreiberwechsel kommen, müssen die Beschäftigten zwingend von diesem übernommen werden“, schreibt die Gewerkschaft.

Außerdem sollte dieser Vorgang zum Anlass genommen werden, um die Vergabepolitik neu aufzusetzen. „Nicht der billigste Preis darf entscheiden, sondern die beste Qualität.“ Das gehe nur über ausreichendes und gut ausgebildetes Personal und gute Beschäftigungs­beding­ungen, so die EVG weiter.



Das private Eisenbahnunternehmen Abellio, ein Tochterunternehmen des niederländischen Mutterkonzerns NS (Nederlandse Spoorwegen), konnte sich in den vergangenen Jahren im Rahmen von Ausschreibungen mehrere Verkehrsverträge in Mitteldeutschland, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sichern, jeweils mit dem günstigsten Angebot. Mittlerweile fährt Abellio allerdings ein Minus in zweistelliger Millionenhöhe ein. Einen vom Bahnbetreiber geforderten Nachschlag in Höhe von mehreren Millionen Euro lehnt die Politik bislang ab. Deshalb drohte Abellio bereits mit der Kündigung von Verkehrsverträgen.


red