Nach Unfall mit Kleinkind: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Lokführer

(EVN Redaktionsdienst) – Foto: imago images / Chris Emil Janßen (Symbolbild) |

Ein von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenes Gutachten hat ergeben, dass der Bahnunfall in Norderstedt Anfang Oktober nicht durch einen technischen Defekt am Zug verursacht wurde. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf den Lokführer.

Der Unfall am Bahnsteig der Station Friedrichsgabe in Norderstedt, der sich am 1. Oktober gegen 17.35 Uhr zugetragen hat, ist möglicherweise auf einen Fehler des Lokführers zurück­zuführen.

Wie die Polizeidirektion Bad Segeberg mitteilt, hat ein von der Staatsanwaltschaft Kiel beauftragter Gutachter nun seinen Bericht vorgelegt. Demnach liegen dem Unfall „keine technischen Ursachen“ zugrunde. Weiter teilt ein Sprecher der Polizei mit, dass die Systeme des Zuges „am Unfalltag ordnungsgemäß in Betrieb“ waren, „hier insbesondere die Sensorik der Türautomatik und die entsprechenden Anzeigen auf dem Monitor des Zugführers.“ Darüber hinaus seien auch „der Außenspiegel auf dem Bahnsteig und der Rückspiegel direkt am Fahrerstand des Zuges funktionstüchtig“ gewesen.



Zu dem Unfall war es gekommen, nachdem eine 34-jährige Mutter aus Norderstedt rückwärtsgehend das hintere Zugabteil der AKN-Bahn verlassen hatte und einen dreirädrigen Kinderwagen hinterher zog, in welchem sich ein 19 Monate alter Junge in der Sitzschale angeschnallt befand. Noch bevor beide den Zug komplett verlassen hatten, schlossen sich die Türen und der Zug setzte sich in Richtung Hamburg in Bewegung.

Der Kinderwagen, der mit dem Vorderrad noch in der Zugtür eingeklemmt war, wurde bei der Abfahrt des Triebwagens etwa zwanzig Meter über den Bahnsteig mitgeschleift, ehe ein Bahnreisender die Notbremse betätigte. Durch den Nothalt öffneten sich die Türen des Zuges automatisch, was den Sturz des Kindes kopfüber mitsamt dem Kinderwagen in das Gleisbett zur Folge hatte. Der Junge wurde durch den Aufprall und das Mitschleifen schwer aber nicht lebensbedrohlich verletzt. Mutter und Kind konnten das Krankenhaus nach mehreren Tagen wieder verlassen.

Nach Angaben des Polizeisprechers richten sich die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nun gegen den Lokführer. Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung.