Alstoms Wasserstoffzug schließt Fahrgastprobebetrieb in Österreich erfolgreich ab

(EVN Redaktionsdienst) – Foto: Alstom |

Der weltweit erste Wasserstoffzug von Hersteller Alstom hat seinen Probebetrieb mit Fahrgästen auch auf dem österreichischen Streckennetz erfolgreich absolviert. Zuvor wurde der Zug bereits in Deutschland und den Niederlanden getestet.

Wie der Zughersteller Alstom mitteilt, konnte der erste Wasserstoff-Brennstoffzellenzug der Welt, der Coradia iLint, seinen dreimonatigen Testbetrieb auf den Regionalstrecken der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) erfolgreich abschließen. „Selbst auf Steilstrecken überzeugt er mit seiner Leistungsstärke“, erklärt Gian Luca Erbacci, Senior Vice President Europe bei Alstom. Durch die oberste Eisenbahnbehörde im Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) hat der Zug zudem die offizielle Zulassung für das Streckennetz in Österreich erhalten. „Ich gratuliere auch den ÖBB zu ihrer Vorreiterrolle bei der Erprobung der Wasserstofftechnologie auf der Schiene in Österreich“, so Erbacci.



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Mit diesen wichtigen Meilensteinen sei Österreich nach Deutschland das zweite Land in Europa, in dem der Coradia iLint ab sofort als emissionsfreie Alternative zu Dieseltriebzügen in vollem Umfang eingesetzt werden kann, erklärte der Zughersteller. Alstom zeigt sich stolz über diesen Erfolg. Laut einem Unternehmenssprecher gebe es derzeit keinen anderen Zughersteller, der einen „geprüften und erprobten sowie serienreifen Wasserstoffzug“ auf dem Markt habe. Alstom-Konkurrent Siemens hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, ebenfalls einen Wasserstoffzug entwickeln zu wollen. Ein Probebetrieb ist hier aber erst ab 2024 geplant. Damit bekräftigt Alstom „seine weltweit führende Position in der Wasserstoff­mobilität auf der Schiene.“

Während des dreimonatigen Testbetriebs auf vier anspruchsvollen Strecken im südlichen Niederösterreich, Wien und der Oststeiermark konnten sich die ÖBB und die Fahrgäste von der Einsatz- und Leistungsfähigkeit der neuen Antriebstechnologie auf Basis von Brennstoff­zellen überzeugen. Dabei habe sich der Zug auch auf steilen Streckenabschnitten und bei unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen bewiesen. Die ÖBB zeigten sich mit dem Wasserstoffzug und dem Ablauf des Testbetriebs sehr zufrieden, betont der Alstom-Sprecher. Im Anschluss an den erfolgreichen Betrieb in Österreich sollen nun die gesammelten Daten analysiert werden, um die Technologie für den jeweiligen Einsatzbereich weiter zu perfektionieren, heißt es.


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Bereits im September 2016 hatte Alstom seinen emissionsfreien Zug Coradia iLint auf der InnoTrans in Berlin vorgestellt. Wenige Monate nach den ersten Testfahrten mit Geschwindig­keiten von 80 und 140 km/h unterzeichneten Alstom und die Landes­nahverkehrsgesell­schaft Niedersachsen (LNVG) im November 2017 einen Vertrag über die Lieferung von 14 Coradia iLint, die ab Anfang 2022 die bisherigen Dieselzüge im Weser-Elbe-Netz ersetzen sollen. Im Juli 2018 erhielt der Zug seine Zulassung für den Passagierverkehr in Deutschland. Zwischen September 2018 und Februar 2020 startete der neue Zugtyp dann im Weser-Elbe-Netz in einen ersten Probebetrieb. Eine weitere Bestellung über 27 Coradia iLint erhielt Alstom im Mai 2019 von der RMV-Tochter Fahma. Diese Züge sollen ab Ende 2022 die heutigen Diesel­triebwagen auf vier Regionalzuglinien im Taunus ersetzen. Damit hat Alstom zu diesem Zeitpunkt bereits insgesamt 41 Fahrzeuge verkauft. Vor dem jetzt abgeschlossenen Probebetrieb in Österreich konnte sich der Zug auch schon in der niederländischen Provinz Groningen beweisen. Dort kam er im März 2020 zehn Tage lang für Testfahrten auf der 65 Kilometer langen Strecke zwischen Groningen und Leeuwarden zum Einsatz.