EVG-Chef Hommel wirft Lokführer­gewerkschaft „Realitätsverlust“ vor

(EVN Redaktionsdienst) – Foto: DB AG / EVG |

Der verbale Schlagabtausch zwischen den beiden Bahngewerkschaften EVG und GDL geht in die nächste Runde. 

Nachdem Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), in den zurückliegenden Wochen bereits mehrfach deutliche Worte für die Konkurrenzgewerkschaft fand, teilt nun auch Klaus-Dieter Hommel, der neue Vorsitzende der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), ordentlich aus. Im Handelsblatt sagte der 63-Jährige, dass die „Arroganz“ und der „Realitäts­verlust“ der Lokführergewerkschaft „nicht zu übertreffen“ sei. Den krawallartig wirkenden und langjährigen GDL-Chef bezeichnete er gar als „temporäre Störung“.

Erst am 19. November hatte Weselsky angekündigt, dass seine Lokführergewerkschaft künftig auch Fahrdienstleiter, Werksmitarbeiter und Servicekräfte vertreten will. Für Hommel sei dies nur ein „letztes Aufbäumen.“ Denn im Frühjahr, wenn die Tarifverträge auslaufen, wird sich abzeichnen, wer von beiden Gewerkschaften die Nase vorn hat. Dann will die Deutsche Bahn das 2017 verabschiedete Tarifeinheitsgesetz zur Anwendung bringen. Das bedeutet, dass in jeder Betriebsstätte dann nur noch ein Tarifvertrag gilt, und zwar der von jener Gewerkschaft, die die meisten Mitglieder auf sich vereinen kann.


MEHR ZU DIESEM THEMA


Weil sich Hommel mit rund 190.000 Mitgliedern der „Mächtigkeit“ seiner Organisation bewusst ist, zeigt er sich bislang auch wenig besorgt. Ordentlich kämpfen muss hingegen die GDL, die nach eigenen Angaben bundesweit auf nur etwa 34.000 Mitglieder kommt. Schon vor zwei Wochen teilte die EVG mit, dass die Lokführergewerkschaft mit ihren „rund 15.000 aktiven Mitgliedern“ in den Betrieben der Deutschen Bahn AG „nicht durchsetzungsfähig“ sei.

Sollte die EVG auch künftig „in den meisten Betrieben die Mehrheit und damit auch die Tarifverträge stellen“, so glaubt Hommel, würden die Lokführer dann zur EVG wechseln. Dies hätten 2020 ohnehin bereits 1.500 Lokführer getan, berichtet er laut Handelsblatt mit Genugtuung.