Nach Attacke auf ICE-Züge: 44-jähriger Iraker zu lebenslanger Haft verurteilt

(EVN Redaktionsdienst) – Foto: Pixabay (Symbolbild) |

Ein 44-jähriger Iraker ist zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Der Mann stand in Wien vor Gericht, weil er vor rund zwei Jahren versucht hatte, mehrere Züge entgleisen zu lassen.

In Wien ist ein 44-jähriger Iraker vom Landesgericht zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden. Der Mann wurde wegen mehrfachen versuchten Mordes als terroristische Straftat, schwerer Sachbeschädigung als terroristische Straftat sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung schuldig gesprochen. Die Geschworenen zeigten sich davon überzeugt, dass der Angeklagte im Namen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt habe, berichtet die österreichische Nachrichtenagentur APA. Das Urteil des Wiener Landesgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Seine Frau, die ebenfalls vor Gericht stand, wurde freigesprochen. Sie bestritt jegliches Mitwissen.

Der Mann hatte die Taten gestanden. Er bestritt allerdings jede Tötungsabsicht und auch jeglichen terroristischen Hintergrund. Er hätte lediglich „Aufmerksamkeit erregen“ wollen. Sein Ziel sei der Abzug ausländischer Truppen aus dem Irak gewesen, erklärte sein Verteidiger. Wie der zuständige Staatsanwalt zu Prozessbeginn sagte, habe der seit 2013 mit Flüchtlingsstatus in Österreich lebende Mann versucht, den „größtmöglichen Sachschaden“ und „größtmöglichen Personenschaden“ anrichten zu wollen.

Das bei den damaligen Anschlägen im Herbst 2018 nur Sachschäden entstanden sind, sei dem Umstand „technischer Fehlkonstruktionen“ zu schulden, heißt es. Verletzt wurde durch die Taten niemand.

Der 44-Jährige hatte der Anklage zufolge in drei von vier Fällen die ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München im Visier. Bei Allersberg hatte er mit einer Balken-Konstruktion, mit Holzkeilen und später mit einem über die Gleise gespannten Stahlseil die Züge attackiert. Dabei kollidierte ein mit 160 Reisenden besetzter ICE mit Tempo 204 mit dem Stahlseil. Außer einem Lichtblitz und Schäden an der Frontscheibe sowie am Lack passierte allerdings nichts.

Zudem soll der Angeklagte im Dezember 2018 an einem Bahnhof in Berlin ein Seil mit Hakenkrallen auf die Oberleitung geworfen haben, um einen Zug entgleisen zu lassen. Auch dieser Anschlag scheiterte. Die Ermittler kamen dem Mann über ein Drohschreiben auf die Spur, das er beim Kopieren in einem Copy-Shop vergessen hatte. Auch in der Nähe des Tatortes war das Schreiben in arabischer Sprache gefunden worden.

Eine lebenslange Haft bedeutet nach österreichischem Strafrecht eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Eine vorzeitige Entlassung ist frühestens nach 15 Jahren möglich, sofern angenom­men werden kann, dass der Verurteilte keine weiteren strafbaren Handlungen begehen wird.