Mofair kritisiert Alleingang der Staatsbahnen bei Nachtzugausbau

(EVN Redaktionsdienst) – Foto: Pixabay |

Der Interessenverband Mofair, der die privaten Wettbewerber im Schienenpersonen­verkehr vertritt, kritisiert die vier Bahnunternehmen DB, ÖBB, SBB und SNCF für den angekündigten Ausbau des Nachtzugangebots.

Nach Ansicht des Verbands wiederholen die vier Staatsbahnen mit ihrem „Nachtzugkartell“ einen früheren Fehler. „Wir haben es in der Vergangenheit schon einmal erlebt: Früher gab es viel mehr grenzüber­schreitende Nachtzüge – bis die gleichen etablierten Betreiber sie stoppten“, sagte Mofair-Geschäftsführer Matthias Stoffregen. Er betonte zudem, dass man „gleiche Finanzierungsmöglichkeiten für Fahrzeuge, niedrige Trassengebühren und einen unparteiischen Fahrkartenverkauf“ bräuchte, um ein nachhaltiges Personenverkehrs­netz auf europäischen Langstrecken anzubieten.

Am Dienstag hatten die Deutsche Bahn (DB), die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und das französische Eisenbahnunternehmen SNCF eine gemeinsame Absichtserklärung über den Ausbau des Nachtzugangebots unterzeichnet. Das Vorhaben sieht Nachtzüge zwischen Zürich und Amsterdam sowie Wien und Paris (beide ab Dezember 2021), zwischen Zürich und Rom (ab Dezember 2022), zwischen Berlin und Paris sowie Berlin – Brüssel (ab Dezember 2023) und zwischen Zürich und Barcelona (ab Dezember 2024) vor.


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Mofair sieht die Wettbewerbsbahnen benachteiligt und erinnert daran, dass es die neuen privaten Personenzugbetreiber waren, die im Sommer 2020 – mitten in der Corona-Pandemie – „ohne Subventionierung durch den Steuerzahler“ neu in den Markt eingetreten seien, um neue grenzüberschreitende Nachtzugdienste einzuführen. Der Verband spricht hier unter anderem den Start der neuen Nachtzugverbindung zwischen Sylt und Salzburg Anfang Juli durch RDC Deutschland an. Wie Mofair in einer Mitteilung schreibt, werde die SBB in der Schweiz direkt finanziert. „In der Zwischenzeit gibt Frankreich 100 Millionen Euro für die Modernisierung von Nachtzugwagen allein für die SNCF aus“, kritisiert der Verband.

Die Privatbahnen rechnen damit, dass sich die Wettbewerbssituation für die anderen, nicht­staatlichen Zugbetreiber „erheblich verschlechtern“ werde. „Wenn die etablierten Betreiber bevorzugt behandelt werden und sie sich nicht dem Wettbewerb stellen, werden sie sich wie Monopolisten verhalten, anstatt den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen“, schreibt der Verband weiter.

„Ein europäisches Fern- und natürlich auch Nachtzugnetz kann sehr sinnvoll sein. Dieses dürfen aber die Staatsbahnen nicht als ‚closed shop‘ unter sich ausmachen“, sagte Mofair-Präsident Christian Schreyer. Die Planungen müssten von Anfang an gemeinsam mit den Wettbewerbsbahnen vorangetrieben werden, fordert er weiter. Das gelte nicht nur für den Betrieb der Leistungen, sondern auch für den Verkauf der Fahrausweise. „Nur so werde sichergestellt, dass die neue Initiative nicht zarte Pflänzchen privater Unternehmen zertritt“, so Schreyer.