Zugverkehr im Eurotunnel fast komplett eingestellt – Bundespolizeigewerkschaft fordert Grenzkontrollen

(EVN Redaktionsdienst / dts Nachrichtenagentur) – Foto: imago images / Pro Shots |

Der grenzüberschreitende Zugverkehr über den Eurotunnel zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland ist nahezu eingestellt. Aktuell führt nur noch eine einzige Verbindung in Richtung London.

Nach den Meldungen über mutierte Corona-Viren in Großbritannien sind seit Mitternacht die Grenzen zum Vereinigten Königreich von Seiten der belgischen, französischen und niederländischen Regierung geschlossen worden. Bis auf eine Verbindung ist deshalb auch der Bahnverkehr durch den Eurotunnel komplett eingestellt. „Unsere Züge fahren bis auf Weiteres nicht von London nach Paris, Brüssel, Lille oder Amsterdam“, schreibt Eurostar in einer Mitteilung. Auch von Amsterdam, Brüssel und Lille würden derzeit keine Züge mehr nach London fahren. Die einzige Bahnverbindung, auf der aktuell noch Züge verkehren, sei die Route von Paris in Richtung London.

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Am gestrigen Sonntag hatte die Bundesregierung entschieden, auch den Luftverkehr von Großbritannien nach Deutschland vorerst einzustellen, um ein Einschleppen der neuen Coronavirus-Variante zu verhindern. Unterdessen fordert die Bundespolizeigewerkschaft eine verstärkte Grenzüberwachung an den Landesgrenzen zu Frankreich, Luxemburg, Belgien, den Niederlanden und Dänemark. „Es muss davon ausgegangen werden, dass sich mit der mutierten Form des Coronavirus infizierte Personen bereits auf dem europäischen Festland befinden. Die weitere unkontrollierte Ausbreitung des mutierten Virus muss verhindert werden“, sagte der Vorsitzende der DPolG Bundespolizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, der Tageszeitung Die Welt (Dienstagsausgabe).

„Da Einreisen aus Großbritannien vornehmlich über Frankreich, Belgien, die Niederlande und Skandinavien erfolgen, halten wir es für unerlässlich, sofort eine verstärkte Grenzüber­wachung an den Landesgrenzen nach Frankreich, Luxemburg, Belgien, den Niederlanden und Dänemark zu fahren.“ Nur so könne die Einreise britischer Staatsangehöriger, die am vergangenen Wochenende auf das europäische Festland gereist sind, verhindert werden.


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Unionsfraktionsvize Thorsten Frei (CDU) sprach sich ebenfalls dafür aus, notfalls Grenzkontrollen im Schengen-Raum einzusetzen. „Anscheinend gibt es in Großbritannien einen mutierten Virusstamm, der erheblich ansteckender ist als die bisher bekannte Form“, sagte Frei der Zeitung. „Insofern ist es richtig, die Bevölkerung soweit als möglich vor dem Eintrag nach Deutschland und die rasche Verbreitung hier zu schützen. Verstärkte Grenzkontrollen und Einreisestopps von dort sowie ein striktes Test- und Quarantäneregime für heimkommende deutsche Staatsbürger erscheinen mir vor diesem Hintergrund zwingend erforderlich“, so der CDU-Innenpolitiker.

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„Natürlich wollen wir im Schengen-Raum soweit als möglich auf Grenzkontrollen verzichten. Allerdings zeigt der Verlauf der Pandemie, dass davon im Falle von einem starken Inzidenz-Gefälle oder auch bei Mutationen abgewichen werden muss.“

Die neu entdeckte Virus-Mutation ist nach britischen Behördenangaben bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form und weitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus.