Kasseler Verkehrsexperte befürwortet Pkw-Maut zur Finanzierung des Öffentlichen Nahverkehrs

(EVN Redaktionsdienst) – Foto: Michael Römer / Uni Kassel |

Im Rahmen einer öffentlichen Anhörung hat Prof. Carsten Sommer am Mittwoch zum Thema „Künftige Modelle für Finanzierung und Organisation des ÖPNV“ dem Verkehrs­ausschuss des Bundestages eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet.

Laut dem Universitätsprofessor habe die bisherige Finanzierung des öffentlichen Personen­nahverkehrs „zu einem signifikanten Substanzverlust der ÖPNV-Infrastruktur geführt.“ Um klima- und umweltpolitische Ziele erreichen zu können, sei darüber hinaus ein massiver Ausbau des ÖPNV-Angebots erforderlich.

Aus seiner Sicht sei daher ein Umsteuern dringend geboten: „Die Fahrpreise für den öffentlichen Nahverkehr sind in den vergangenen Jahren überproportional stark gestiegen“, so Sommer. „Gleichzeitig werden für den Erhalt und Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln große Summen nötig sein, die nicht allein von den Nutzern des ÖPNV getragen werden können“, erklärte er.


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Sommer plädiert dafür, nicht nur die direkten Nutzer von Bus und Bahn an der künftigen Finanzierung des ÖPNV zu beteiligen, sondern auch Personen und Institutionen, die durch das Vorhalten des ÖPNV einen indirekten Vorteil haben. „Letztlich profitieren ja auch Autofahrer davon, wenn mehr Menschen mit dem ÖPNV unterwegs sind, weil dadurch weniger Verkehr auf der Straße ist. Und Arbeitgeber mit guter Nahverkehrsanbindung müssen weniger Parkplätze zur Verfügung stellen – auch das ist ein handfester Vorteil“, sagte der Verkehrsexperte.

Er fordert daher, auch die Nutznießer des ÖPNV stärker an den Kosten zu beteiligen. „Dafür gibt es international bereits einige erfolgreiche Beispiele, etwa die Nahverkehrsabgabe in Frankreich, die Dienstgeberabgabe in Wien oder eine sogenannte Verkehrserzeugungs­abgabe für Institutionen, die Kfz-Verkehr erzeugen, in England.“ In diesem Zusammenhang hält Sommer auch die vielfach diskutierte Pkw-Maut für sinnvoll: „Eine Pkw-Maut kann ein hilfreiches Instrument sein, um das Problem der fehlenden Mittel für den Nahverkehr auszugleichen – dafür sollte sie idealerweise auf das gesamte Straßennetz angewendet werden.“