Schweiz: SBB und Gewerkschaften einigen sich auf Sparmaßnahmen beim Personal

(EVN Redaktionsdienst) – Foto: KEYSTONE / Valentin Flauraud |

Die SBB und die Personalverbände haben sich auf eine Verlängerung des Gesamt­arbeits­vertrages (GAV) geeinigt. Dieser sieht aufgrund der Einnahmeverluste bei der SBB infolge der Corona-Krise auch personalrelevante Sparmaßnahmen vor.

Die finanzielle Situation des Schweizer Bahnunternehmens sei wegen der Folgen der Corona-Pandemie sehr angespannt, teilte die SBB mit. Letztes Jahr hat der Bund zur Deckung von Liquiditätsengpässen die kurzfristige Kreditlimite um 550 Millionen Franken erhöht.

Wie Transfair bereits am vergangenen Mittwoch mitteilte, werden die jetzt vereinbarten Sparmaßnahmen ab Anfang Mai 2021 wirksam. Der GAV wird um drei Jahre verlängert. Die SBB und die Gewerk­schaften haben sich nach viermonatigen Verhandlungen mit dem Resultat, das von beiden Seiten Opfer verlangt, zufrieden gezeigt, heißt es.

Die geschlossene Einigung sieht statt 0,9 Prozent für alle Mitarbeitenden nur 0,3 Prozent für individuelle Lohnerhöhungen für Mitarbeitende in den tiefen GAV-Niveaus vor. Zudem werden für das letzte Jahr keine einmaligen Leistungsanteile für sehr gute Ergebnisse in der Personalbeurteilung ausbezahlt. Im Gegenzug verzichten die SBB 2021 auf die Streichung von Ferientagen und bezahlen Mitarbeitenden mit einem GAV eine außerordentliche Einmal­prämie von 200 Franken aus. Für Mitarbeitende mit einem Beschäftigungs­grad von weniger als 50 Prozent sind 100 Franken vorgesehen.

„Die Verhandlungen waren zwar hart, konnten aber mit einer einvernehmlichen und tragfähigen Lösung beendet werden“, sagte Markus Jordi, Personalchef der SBB. „Mir ist bewusst, dass die Sparmaßnahmen für die Mitarbeitenden ein Verzicht sind, aufgrund der finanziellen Situation sind diese Maßnahmen jedoch notwendig“, so Jordi weiter.

Barbara Spalinger, Verhandlungsführerin der Sozialpartner und Vizepräsidentin der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, strich hervor: „In dieser Zeit der finanziellen und wirtschaftlichen Unsicherheit stellt die Verlängerung des GAV mit seinem Kündigungsschutz aus wirtschaftlichen Gründen einen hohen Wert für die Mitarbeitenden dar, der ihnen Stabilität, Sicherheit und Perspektive gibt.“

Laut der Transfair-Mitteilung spare die SBB durch das Entgegenkommen rund 26 Millionen Franken (bezogen auf das Lohnjahr 1. Mai 2021 – 30. April 2022) ein. Transfair sei sich bewusst, dass das Personal auf viel verzichten müsse. Für Bruno Zeller, Branchenleiter öffentlicher Verkehr bei Transfair, sei die Verlängerung ein nicht zu unterschätzendes und wichtiges Resultat: „Der GAV SBB beinhaltet sehr wertvolle Errungenschaften, die den Mitarbeitenden bei Reorganisationen, bei der beruflichen oder persönlichen Weiter­entwicklung oder in Form von attraktiven Pensionierungsmodellen zugutekommen.“

Für die Güterbahntochter des Unternehmens, SBB Cargo, dauern die Sparverhandlungen noch an.