Verkehrsunternehmen rechnen mit rund 7 Milliarden Euro Corona-Schaden im ÖPNV bis Ende 2021

(EVN Redaktionsdienst) – Foto: Imago / Leonhard Simon |

Die Corona-Krise, die seit knapp einem Jahr für einen Ausnahmezustand sorgt, hat bei den öffentlichen Verkehrsunternehmen in Deutschland zu einem starken Einbruch der Fahrgasteinnahmen geführt.

„Wir hatten ab März 2020 bundesweit einen Einnahmeneinbruch von rund 3,5 Milliarden Euro und schätzen, dass das Minus auch 2021 in einer ähnlichen Größenordnung liegen wird“, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann, gegenüber der Welt. „Deshalb brauchen wir dringend einen zweiten Rettungsschirm für den ÖPNV. Wir konnten nicht wie Schwimmbadbetreiber einfach zusperren, sondern mussten die Menschen als Teil der Daseinsvorsorge weiter zur Arbeit bringen, auch wenn weniger Fahrgäste das Angebot genutzt haben.“

Im Interview mit der Zeitung betonte Wortmann, dass der Personennahverkehr „kein Hotspot“ sei. Und weiter: „Wir haben viel getan, um die Ansteckungsgefahr in Bussen und Bahnen zu minimieren.“ Als Beispiele nannte er die Maskenpflicht und die „gute“ Lüftung der Fahrzeuge durch das Öffnen der Türen „an so gut wie jeder Haltestelle.“ Außerdem sei das Angebot trotz sinkender Fahrgastzahlen nicht reduziert, sondern ausgebaut worden.


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Wie der VDV-Präsident sagte, lag die Auslastung von Bussen und Bahnen im ÖPNV im ersten Lockdown bei „nur etwa 20 Prozent der üblichen Fahrgäste“, jetzt im zweiten Lockdown seien es 30 bis 40 Prozent.

Angesprochen auf ein mögliches Sprech- oder Telefonierverbot, das Wortmann vor einigen Wochen selbst ins Spiel gebracht hatte, sagte er: „Es geht nicht darum, dass man nicht durch die Maske kurz etwas absprechen könnte, sondern es geht um lautes Sprechen und Telefonieren.“ Es sei nachgewiesen, dass lautes Sprechen und Telefonieren trotz Maske zu einer Aerosolverbreitung führen kann. „Ein Sprechverbot können und wollen wir nicht verhängen, ein Telefonierverbot könnten wir aussprechen – aber auch das wollen wir nicht. Es geht um einen Appell an die Fahrgäste. Uns geht es darum, dass man alles tut, um die Aerosolverbreitung in U-Bahnen zu verringern.“ Wortmann zufolge sei der Vorschlag zu einem Zeitpunkt entstanden, als im Raum stand, dass man den ÖPNV komplett einstellen könnte. „Das halten wir nicht für erforderlich und deshalb haben wir Alternativen vorgeschlagen, wie man den sicheren ÖPNV noch sicherer machen kann.“