DB Regio bildet Geflüchtete zu Triebfahrzeugführern für die S-Bahn Stuttgart aus

(EVN Redaktionsdienst) – Foto: EVN |

DB Regio hat am 1. Februar in Stuttgart ein Pilotprojekt zur Ausbildung von Geflüchteten gestartet.

Damit werden bei der Deutschen Bahn erstmals Mitarbeiter mit Fluchthintergrund in einer zweijährigen Umschulung im Beruf des Eisenbahners im Betriebsdienst ausgebildet. Insgesamt 16 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Chance ergriffen, sich für eine zukünftige Tätigkeit als Triebfahrzeugführer bei der DB zu qualifizieren. Die Umschulung erfolgt bei der S-Bahn Stuttgart für den Einsatz im dortigen Betrieb.

Die zweijährige Umschulung zum Eisenbahner im Betriebsdienst ist Teil des von Verkehrs­minister Winfried Hermann (Grüne) initiierten Modellprojekts „Qualifizierung Geflüchteter zu Triebfahrzeugführern“, das im Januar 2019 gemeinsam mit der Regionaldirektion der Bundes­agentur für Arbeit und weiteren Eisenbahnunternehmen gestartet wurde. Hermann betont die positiven Auswirkungen sowohl für die Auszubildenden als auch die Nutzerinnen und Nutzer des Schienenverkehrs: „Wir freuen uns, dass das Projekt nun auch in Stuttgart in die Umsetzung kommt. Wir bieten damit Geflüchteten eine spannende berufliche Perspektive.“ Jeder zusätzliche Triebfahrzeugführer in Baden-Württemberg trage dazu bei, dass Züge nicht ausfallen müssen, so Hermann weiter.


Die berufliche Umschulung ist eine von der Industrie- und Handelskammer (IHK) anerkannte Qualifizierung, die Erwachsenen gemäß um ein Drittel auf zwei Jahre verkürzt ist. Zugangsvoraussetzungen dabei sind zum einen ein Schulabschluss sowie zum anderen darüber hinaus vorhandene berufliche Vorerfahrungen. Die Umschulungsinhalte wurden in einer Arbeitsgruppe unter Federführung von DB Training erstellt und anschließend gemeinsam mit der IHK Stuttgart Region – Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen sowie der Berufsschule Friedrich Ebert Esslingen-Zell in entsprechende Blockunterrichte ausgearbeitet.

Während der Umschulung werden zwei vom Land Baden-Württemberg finanzierte Coaches die Auszubildenden begleiten. Das Angebot beinhaltet Sprachtraining, Allgemeinbildung, Hausaufgabenbetreuung, sozialpädagogische Unterstützung sowie Unterstützung bei Behördenangelegenheiten und im privaten Umfeld. Darüber hinaus sieht das Coaching auch bedarfsorientierte Workshops und Kompetenztrainings vor.


Die Rekrutierung der Geflüchteten erfolgte unter anderem seit Ende 2019 in drei jeweils achtwöchigen Bewerber-Check-ups. Neben individuellem und berufsbezogenem Deutschunterricht wurde Basiswissen über das Arbeitsleben in Deutschland vermittelt. Zudem erhielten die Teilnehmer in einem einwöchigen Praktikum bei der S-Bahn Stuttgart erste Einblicke in die betrieblichen Anforderungen des DB-Konzerns. Am Ende des Check-ups wurden Sprachkenntnisse, berufliche Kompetenzen und notwendige Fähigkeiten für das Berufsbild des Lokführers getestet. Sozialpädagogen und erfahrene Trainer haben die Tests begleitet. Wer den Check-up erfolgreich durchlief, bekam die Zusage für die Teilnahme an dem erforderlichen Medizinisch-Psychologischen Test und nach dessen Bestehen einen Platz in dem Pilotprojekt der allerersten Umschulungsgruppe.