Regionalverkehr in Südostbayern wird ausgeschrieben – Einsatz von Wasserstoffzügen ab 2024 geplant

(EVN Redaktionsdienst) – Foto: EVN |

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern im Auftrag des Freistaats organisiert, hat das Wettbewerbsverfahren für den Regionalzugverkehr im Linienstern Mühldorf eröffnet.

Das Netz umfasst sämtliche nicht elektrifizierten Strecken in Südostbayern, inklusive der Gäubodenbahn (Bogen – Straubing – Neufahrn). Der künftige Verkehrsvertrag startet im Dezember 2024 und hat eine Laufzeit von acht Jahren bis Ende 2032. Angebote nimmt die BEG bis Oktober 2021 von interessierten Verkehrsunternehmen entgegen. Der Zuschlag soll voraussichtlich im Dezember 2021 erfolgen. Aktuell wird der Nahverkehr im dortigen Netz von der Südostbayernbahn, einer Tochter der Deutschen Bahn, betrieben.

Während der Laufzeit des aktuellen Verkehrsvertrages hat die BEG das Fahrplanangebot in mehreren Schritten verbessert, zuletzt im vergangenen Dezember. Die Züge im gesamten Netz fahren mittlerweile fast durchgehend im Stundentakt, entsprechend dem Bedienstandard des Bayern-Takts. Lediglich im Streckenabschnitt Hörpolding – Garching (Alz) gibt es infrastrukturbedingt ein zweistündliches Angebot. Auf der Strecke München – Mühldorf fahren zu den Hauptverkehrszeiten zusätzliche Züge. Dieses Angebot soll im neuen Verkehrsvertrag ab Dezember 2024 fortgeführt werden.


Für die Erbringung der Verkehrsleistungen im Linienstern Mühldorf gibt die BEG Mindest­standards für die Fahrzeuge vor, die sich auf einzelnen Streckenabschnitten unterscheiden. Zwischen Passau und Mühldorf sowie Burghausen und Mühldorf fordert die BEG emissions­freie Neufahrzeuge mit Brennstoffzellen-Antrieb. Es handelt sich bayernweit um das erste Pilotprojekt mit Wasserstoffzügen. Eine Wasserstofftankstelle für die voraussichtlich rund zehn Züge ist in Mühldorf geplant. Für die Strecke Mühldorf – München sind klimatisierte lokbespannte Doppelstockzüge mit hoher Kapazität ab einem Wagenbaujahr 1994 sowie Neufahrzeuge zugelassen. Auf der Gäubodenbahn (Landshut – Neufahrn – Straubing – Bogen) sind abweichend von den übrigen Strecken auch nicht klimatisierte Fahrzeuge mit Hocheinstiegen zulässig. Der Grund hierfür ist die Beschränkung der Achslast auf der erneuerungsbedürftigen Donaubrücke bei Bogen. Deshalb können dort auch weiterhin nur die leichten, aber nicht barrierefreien Dieseltriebwagen der Baureihe VT 628 eingesetzt werden. Auf allen anderen Strecken im Linienstern Mühldorf sind barrierefreie und klimatisierte Triebwagen ab Baujahr 1998 gefordert, die ein stufenfreies Ein- und Aussteigen an 55 cm hohen Bahnsteigen ermöglichen.

Der jetzt ausgeschriebene Verkehrsvertrag setzt sich aus drei Betriebsstufen zusammen, die mit Infrastrukturmaßnahmen zusammenhängen: In der zweiten Betriebsstufe voraussichtlich ab Dezember 2026 entfallen die Verkehrsleistungen auf dem Filzenexpress von Grafing Bahnhof nach Wasserburg, da diese Strecke nach der Elektrifizierung in das Netz der Münchner S-Bahn integriert wird. In der dritten Betriebsstufe ab voraussichtlich Ende 2028 wird das Verkehrsangebot der Gäubodenbahn von Bogen über Straubing nach Neufahrn zweistündlich bis Landshut verlängert. Grund dafür ist die Inbetriebnahme der 2. S-Bahn-Stammstrecke in München. Sie macht eine Neuordnung des Regionalzugangebots auf der Strecke München – Landshut – Neufahrn – Regensburg erforderlich.

Die BEG begründet die relativ kurze Vertragslaufzeit mit dem geplanten Ausbau der Strecke (München –) Markt Schwaben – Mühldorf – Freilassing (– Salzburg). Dieser Abschnitt wird ebenso elektrifiziert werden wie die Strecke Mühldorf – Burghausen. Mit einer Inbetrieb­nahme wird Anfang der 2030er Jahre gerechnet. Dann soll im Rahmen eines weiteren Verkehrsvertrages ein elektrischer Zugbetrieb auf diesen Strecken erfolgen.