Mit Wetterlage überfordert – Güterbahnverband wirft DB Netz AG „organisatorisches Versagen“ vor

| Foto: DB AG / Oliver Lang |


Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) aufgefordert, die näheren Umstände und internen Prozesse der DB Netz AG im Zusammenhang mit dem Schneechaos der letzten Tage zu untersuchen.

Der laufende Betrieb bzw. die Wiederherstellung der bestimmungsgemäßen Nutzung des Schienennetzes würden durch die „wieder einmal zu geringen personellen und technischen Kapazitäten sowie mangelnde Koordination“ extrem in die Länge gezogen, schreiben der Vorstandsvorsitzende und der Geschäftsführer des Netzwerks, Ludolf Kerkeling und Peter Westenberger, in einem Brief an Verkehrsminister Scheuer. Zugleich fordern sie den Minister als Dienstvorgesetzten des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) auf, auf eine Untersuchung der Vorgänge unter der Maßgabe von § 4, Absatz 3, Satz 2 Allgemeines Eisenbahngesetz (AEG) hinzuwirken.


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Ob in der langen Sturmsaison zwischen 2016 und Anfang 2018 oder bei Schneefällen – immer wieder würden Güterzüge „in erheblichem Umfang abgestellt und zurückgehalten“, bemängelt der Verband. Gesammelte Berichte der NEE-Mitgliedsunternehmen würden auf „ein organisatorisches Versagen hinweisen, das nicht durch dramatisierende Übertreibung der tatsächlichen Wetterlage und die im Personenverkehr üblich gewordene vorsorgliche Einstellung von Verkehren relativiert werden darf.“ Dies hätten Dialoge mit den Betriebs­zentralen der DB Netz AG und örtliche Erfahrungen ergeben, heißt es in dem Papier.

Weiter schreiben Kerkeling und Westenberger, dass viele Länder im europäischen Umfeld zeigen würden, „dass der bei Eis und Glätte grundsätzlich besonders sichere Schienenverkehr auch unter deutlich extremeren Wetterbedingungen betrieben werden kann.“


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Scheuer hatte am Dienstag den Mitarbeitern der Deutschen Bahn für ihren „unermüdlichen Einsatz“ gedankt. Nach Ansicht des Netzwerks habe er es aber unterlassen, auch auf die Defizite hinzuweisen. Gleichwohl schlossen sich die NEE-Vertreter dem Dank an und wiesen daraufhin, dass auch die Mitglieder des Verbandes, die einen großen Teil des Güterverkehrs auf diesem Netz durchführen, die DB-Infrastrukturtochter derzeit beispielsweise mit Spurfahrten unterstützten.