NAH.SH vergibt künftiges Akkuzug-Netz an drei Verkehrsunternehmen

| Foto: Nordbahn |


Gleich drei verschiedene Eisenbahnverkehrsunternehmen sollen beauftragt werden, die Nahverkehrsleistungen im künftigen Akkunetz in Schleswig-Holstein zu betreiben.

Zu den drei Unternehmen gehören die Osthannoversche Eisenbahnen Aktiengesellschaft (OHE), die RDC AUTOZUG Sylt GmbH und die NBE Nordbahn Eisenbahngesellschaft mbH & Co. KG. Nach dem Wirtschaftsausschuss hat heute auch der Finanzausschuss des Landtages der Vergabeempfehlung des Nahverkehrsverbundes für Schleswig-Holstein (NAH.SH GmbH) zugestimmt. Die neuen Verträge mit den Betreibern sollen bis Dezember 2035 laufen.

„Wir sind mit dieser bisher größten Ausschreibung im Schienenpersonennahverkehr in Schleswig-Holstein und der ersten bundesweiten Großausschreibung mit Akkutriebzügen neue Wege gegangen“, sagte Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP). „Mit dieser Vergabe wird Schleswig-Holstein ein weiteres Mal bundesweit Vorreiter im Bahnverkehr sein.“


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Im Mai 2020 hatte die NAH.SH GmbH die Ausschreibung im Auftrag des Landes und der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) gestartet. Dabei wurde zum ersten Mal eine Loslimitierung eingeführt, durch die es ausgeschlossen war, dass die beiden großen Lose Ost und Nord an ein Verkehrsunternehmen vergeben werden. Das ausgeschriebene Netz umfasst insgesamt 10,4 Millionen Zugkilometer und elf Bahnlinien in drei verschiedenen Losen. Im Januar hatten fünf Bieter insgesamt zwölf Angebote für die unterschiedlichen Lose abgegeben. Die NAH.SH GmbH hat die Angebote in den vergangenen Wochen fachlich sowie wirtschaftlich geprüft und bewertet und dem Land die Vergabeempfehlung gegeben.

Die Osthannoversche Eisenbahnen Aktiengesellschaft (OHE) übernimmt damit ab Dezember 2022 den Betrieb im Los Ost. Es beinhaltet die Strecken RE 83/84 Kiel – Lübeck, RB 89 Lübeck – Lüneburg, RB 87 Kiel – Preetz und RB 76 Kiel – Schönberger Strand. Die OHE löst DB Regio als bisherige Betreiberin ab. Die OHE gehört zum NETINERA-Konzern, der im benachbarten Niedersachsen mit den Unternehmen Erixx GmbH und Metronom Eisenbahngesellschaft mbH bereits ein bedeutender langjähriger SPNV-Betreiber ist. Wegen des Streckenabschnitts zwischen Lauenburg und Lüneburg ist die LNVG am Verfahren beteiligt.

Die RDC AUTOZUG Sylt GmbH übernimmt ab Dezember 2023 den Betrieb im Los Nord und löst die DB Regio dort als bisherige Betreiberin ab. Das Los Nord umfasst die Strecken RE 72 Flensburg – Kiel, RB 73 Eckernförde – Kiel, RE 74 Husum – Kiel, RB 75 Rendsburg – Kiel und RB 64 Husum – Bad St. Peter-Ording.

Im Los Ost-West bleibt die NBE Nordbahn Eisenbahngesellschaft mbH & Co. KG beim Fahrplanwechsel im Dezember 2023 die Betreiberin und erbringt ihre heutigen Leistungen damit unverändert weiter. Das Los Ost-West umfasst die Linien RB 63 Büsum – Heide – Neumünster und RB 82 Neumünster – Bad Oldesloe.


„Mit RDC und der OHE gewinnen wir zwei neue Unternehmen für den schleswig-holsteinischen Schienenpersonennahverkehr. Ich bin sicher, dass das Land und auch die Fahrgäste von diesem Wettbewerb und der neuen Vielfalt auf der Schiene profitieren werden“, sagte NAH.SH-Geschäftsführer Arne Beck.

Das Fahrplanangebot entspricht auf den bestehenden Strecken weitgehend dem Status quo, ergänzt durch zusätzliche Früh- und Spätverbindungen. Darüber hinaus sollen die neuen Verkehrsunternehmen auch die zu reaktivierenden Strecken zum Schönberger Strand sowie nach Rendsburg-Seemühlen betreiben. Dies gilt auch für die Taktverdichtung zwischen Kiel und Preetz, die mit der Streckenbeschleunigung Kiel – Lübeck geplant ist.

Die künftigen Akkutriebzüge, die für den Betrieb zum Einsatz kommen sollen, werden den Verkehrsunternehmen gestellt. Auch für die Instandhaltung sind sie nicht verantwortlich. Das übernimmt der Fahrzeughersteller Stadler Deutschland GmbH mit einem neuen Instandhaltungswerk, das in Rendsburg gebaut wird. Mit der Umstellung der Verkehrsverträge auf das Bruttoprinzip geben die Verkehrsunternehmen außerdem erstmalig die Erlösverantwortung an das Land ab. Die neuen Betreiber sind dabei auch vertraglich verpflichtet, das Personal der bisherigen Betreiber zu den bisherigen Konditionen zu übernehmen.